Korporatismus ist nicht der freie Markt

Die USA haben vor langer Zeit aufgehört, ein freier Markt zu sein.

Diese Seite ist Teil unserer Serie zum Schwerpunktthema USA

Hinweis US-Steuerreform: Bitte beachten Sie unsere Einlassungen zum Tax Cuts and Jobs Act of 2017, mit dem vor allem US-Unternehmen ab sofort massiv steuerlich entlastet werden.

Wer an die USA denkt, der denkt an „zügellosen Kapitalismus“, „schädliche Auswüchse des freien Marktes“ und „Neoliberalismus“. Aber entspricht das tatsächlich den Tatsachen? Ist das amerikanische System nicht viel mehr eine Oligarchie und eine Perversion des kapitalistischen Systems auf Kosten der Allgemeinheit?

Auch Europa, inklusive Deutschland, wird von der Macht der Konzerne kontrolliert, aber in den USA ist diese Entwicklung schon weiter fortgeschritten. Hier können wir getrost von einer Konzerndiktatur sprechen. Mit echtem Unternehmertum hat dies nichts zu tun.

In den USA scheint der Staat nicht den Bürgern zu dienen, sondern vor allem den Interessen der Konzerne. Und hier macht es keinen Unterschied, ob Demokraten oder Republikaner an der Macht sind. Beide Parteien stellen sich schützend vor die Konzerne, wenn es darauf ankommt.

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Was ist Korporatismus?

Als ein republikanischer Präsidentschaftskandidat 2012 vor laufenden Kameras sagte, dass die USA dank Barack Obama „nur ein paar Zentimeter davon entfernt sind, keine freie Marktwirtschaft mehr zu sein“, konnte man darüber nur den Kopf schütteln. Es ist dann umso erfrischender, dass es ein bekannter Volkswirt, sogar ein Nobelpreisträger, klarstellt:

„Der Verwaltungsstaat hat die Verantwortung übernommen, sich um alles zu kümmern, von den Einkommen der Mittelschicht bis hin zur Rentabilität von größeren Unternehmen und dem industriellen Fortschritt. Dieses System... ist... eine Wirtschaftsordnung, die auf Bismarck im späten neunzehnten Jahrhundert und auf Mussolini im zwanzigsten Jahrhundert zurückgeht: der Korporatismus.“

Edmund S. Phelps, Professor der Columbia Universität, der 2006 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gewonnen hat, und sein Koautor, Saifedean Ammous, Juniorprofessor der Volkswirtschaft an der Libanesisch-Amerikanischen Universität, schreiben, dass die US-amerikanische Wirtschaft schon seit einiger Zeit kein freier Markt mehr ist und dennoch wird dem freien Markt die Schuld für die Wirtschaftskrise gegeben. (In Wirklichkeit sollte man sich fragen, ob er überhaupt einmal frei war.)

Phelps und Ammous verurteilen unmissverständlich den Korporatismus:

„Der Korporatismus drosselt auf verschiedene Weisen die Dynamiken, die hinter dem engagierten Arbeiten, dem schnelleren Wirtschaftswachstum und der größeren Möglichkeiten und der Inklusivität stehen. Aufgrund dessen werden lethargische, verschwenderische, unproduktive und einflussreiche Unternehmen zu Lasten der dynamischen Neulinge und Außenseiter geführt.

Außerdem werden erklärte Ziele, wie die Industrialisierung, die wirtschaftliche Entwicklung und die nationale Größe, der wirtschaftlichen Freiheit und Verantwortung von Einzelnen vorgezogen.

Heutzutage gelten Fluggesellschaften, Autohersteller, Agrarunternehmen, die Medien, Investmentbanken, Hedgefonds als zu wichtig, als dass sie den freien Markt alleine standhalten könnten und erhalten somit von der Regierung ‚zum Wohle der Allgemeinheit’ Hilfe.“

Vom Staat ausgewählte Ziele

Der springende Punkt in den obigen Ausführungen der beiden Wissenschaftler ist der Hinweis auf die staatliche Kontrolle des Marktes. Zu viele Leute sind bereit, die von der Regierung gesetzten Ziele zu akzeptieren (so wie die autonome Energieversorgung), sofern der „private Sektor“ bereit ist, diese zu erreichen. Wenn es egal ist, wie die Ziele erreicht werden und nur zählt, dass die Regierung sie setzt, spricht man von Verstaatlichung.

Die Kosten des Korporatismus sind hoch und Phelps und Ammous zählen einige dieser Probleme auf:

Nicht funktionierende Unternehmen, die trotz ihrer groben Unfähigkeit, ihren Kunden zu dienen, überleben; stagnierende Wirtschaften mit einem langsamen Produktionswachstum, einem Mangel an engagierender Arbeit und unzureichenden Möglichkeiten für junge Leute; Regierungen, die aufgrund ihrer Bemühungen, diese Probleme zu beschönigen, Bankrott gegangen sind; und die Konzentration des Vermögens in den Händen derer, die über ausreichend Beziehungen verfügen, um sich auf der richtigen Seite des Korporatismus zu befinden.

Die volkswirtschaftlich schädliche Konzentration von Vermögen in den Händen der Top 1% ist eine direkte Folge des Korporatismus. Der von den Konzernen kontrollierte Staat ist schließlich eine Art der Ausbeutung, dessen Opfer die Arbeiter und Konsumenten sind, die ohne die wettbewerbsfeindlichen Privilegien für die Bosse mit guten Beziehungen und die vom Staat verursachten Rezessionen besser dran sein würden (absolut und relativ).

Die Autoren sind optimistisch, dass die Zeit gegen das Konzerndiktat spielen wird. Von jungen Leuten, die auf dem dezentralisierten und völlig offenen Markt von Ideen und Waren des Internets volljährig werden, kann nicht erwartet werden, dass sie sich für ein System, das etablierte Unternehmen vor dem Wettbewerb schützt, begeistern können.

Darüber hinaus „schwindet die Legitimität vom Korporatismus zusammen mit der finanziellen Gesundheit der Regierungen, die sich darauf verlassen haben. Wenn Politiker den Korporatismus nicht außer Kraft setzen können, wird es sich selbst in Schulden und Nichterfüllungen begraben….”

Kapitalismus versus freier Markt

Am Essay von Phelps und Ammous passt mir vor allem nicht ihre Verwendung des Kapitalismus als Bezeichnung des Wirtschaftssystems, welches der Korporatismus verdorben hat. Wie viele andere sind sie der Ansicht, dass das Wort früher einmal für den freien Markt „stand“. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde er gewiss so verwendet.

Allerdings gab es noch eine ältere Verwendung (besonders vom Kapitalisten), geprägt von Liberalen des freien Marktes wie Thomas Hodgskin, der Marx zeitlich vorausgeht, die es mit den Regierungsprivilegien für die kapitalbesitzende Klasse in Verbindung brachten. Dieser Unterton verschwand nie ganz.

Es ist verlockend, dies lediglich als Semantik abzutun. Aber wir versuchen hier, etwas zu vermitteln, nicht wahr? Der libertäre Theoretiker Roderick Long zeigt allerdings, dass es hier nicht nur um die Semantik geht. Für Long ist der Kapitalismus ein Antikonzept, ein Begriff, der etwas eher noch verworrener macht anstatt es aufzuklären. Eine Art des Antikonzepts ist das Junktim, welches „sich auf jeden Begriff bezieht, dessen Bedeutung eine indirekte Annahme, dass bestimmte Dinge zusammenpassen, was in Wirklichkeit aber nicht stimmt, verbirgt.”

Mit „Kapitalismus“ meinen die meisten Menschen weder nur den freien Markt noch die Durchsetzung des neomerkantilistischen Systems. Die meisten Menschen sprechen beim „Kapitalismus“ eher von diesem System des freien Marktes, das sich zurzeit in der westlichen Welt durchsetzt.

Kurzum, der Begriff „Kapitalismus“, wie er im Allgemeinen verwendet wird, verbirgt eine Annahme, dass das vorherrschende System ein freier Markt ist. Und da das vorherrschende System tatsächlich eine der Regierungsvergünstigungen gegenüber dem Handel ist, enthält die übliche Verwendung dieses Begriffs die Annahme, dass der freie Markt eine Regierungsvergünstigung gegenüber dem Handel ist.

Long schreibt, dass es beim Sozialismus ähnlich ist. Er ist der Ansicht, dass die meisten Leute nichts anderes als „das Gegenteil vom Kapitalismus“ meinen.

Wenn „Kapitalismus“ ein Begriff für ein Junktim ist, dann trifft es auch auf „Sozialismus“ zu. Es vermittelt den Gegensatz zum freien Markt und den Gegensatz zum Neomerkantilismus, obwohl es sich um ein und dasselbe handelt.

Und ich nehme an, dass das der Sinn dieser Begriffe ist: die Grenzen zwischen dem freien Markt und dem Neomerkantilismus verschwimmen zu lassen. Solch ein Durcheinander setzt sich durch, weil es zu Gunsten des Staatsestablishments arbeitet: diejenigen, die den freien Markt verteidigen möchten, können einfacher dazu verleitet werden, den Neomerkantilismus zu verteidigen, und diejenigen, die den Neomerkantilismus bekämpfen möchten, können einfacher dazu verleitet werden, den freien Markt zu bekämpfen. So oder so ist der Staat sicher.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Korporatismus das System ist, welches am unmittelbarsten die individuelle Freiheit bedroht, (mit seinen militaristischen Komponenten) und dass das Wort Kapitalismus in den Köpfen der Leute zu sehr mit dem Korporatismus verbunden ist, als dass es für Verfechter des befreiten Marktes nützlich sein könnte.

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