Besteuerung in Großbritannien: UK-Steuersystem, UK-Steuersätze & Abgaben im Überblick

Diese Seite ist Teil unserer Serie zur steuerlichen Betreuung im UK. Stand: Oktober 2015

Auf dieser Seite erhalten Sie einen Überblick zum UK-Steuersystem und UK-Steuerrecht. Im Grundsatz dürften Ihnen viele Elemente und Abgabenarten von zu Hause ein Begriff sein. Tendenziell ist das UK-Steuersystem einfacher und weniger komplex als das Steuersystem in beispielsweise Deutschland und Österreich. Freilich sind auf dieser Seite nur die wichtigsten Steuerarten aufgeführt. Es gibt eine Vielzahl von anderen Abgaben und Steuern auf die wir hier nicht eingehen können.

Verglichen mit den anderen wichtigen EU-Staaten ist das Gesamtsteueraufkommen im UK gemessen am BIP niedriger

Körperschaftsteuer (Corporation Tax - CT)

Die Corporation Tax ist die einzige Steuer, die Kapitalgesellschaften im UK zu entrichten haben. Eine Gewerbesteuer gibt es im UK nicht.

Die Unternehmensbesteuerung im UK ist eine der geringsten in der entwickelten Welt. Die Körperschaftsteuer liegt bei 20%. Eine Gewerbesteuer gibt es nicht.

Wer muss Corporation Tax bezahlen?

Corporation Tax wird von Limited Companies (Ltd) und Public Limited Companies (PLC) entrichtet.

Wie viel Corporation Tax muss ich bezahlen?

Corporation Tax wird ab dem 1. Pfund Gewinn fällig. Zum Gewinn zählen auch Forderungen (Soll-Besteuerung). Eine Ist-Besteuerung ist auf Anfrage möglich.

Der Steuersatz für die Corporation Tax liegt momentan bei 20%.

Wann muss die Corporation Tax bezahlt werden?

9 Monate nach Ende des Geschäftsjahres.

Gibt es in England Gewerbesteuer?

Nein, in England gibt es keine Gewerbesteuer. Die Corporation Tax ist die einzige Steuer, die auf den Gewinn der Gesellschaft zu entrichten ist.

Bitte beachten

  • In den letzten fünf Jahren wurde der Körperschaftsteuersatz jedes Jahr leicht geändert. Dies wird auch in Zukunft der Fall sein.
  • So ist geplant, dass 2017 die Körperschaftsteuer auf 19% sinkt und 2020 auf 18%.
  • Sie bezahlen nur dann Corporation Tax, wenn Ihre Limited ihren Sitz in England hat. Ltds mit Sitz im Ausland bezahlen die dort gültigen Steuern.

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Mehrwertsteuer / Umsatzsteuer (Value Added Tax - VAT)

Die Mehrwertsteuer (VAT) ist eine betriebliche Steuer, die für jede Lieferung oder Dienstleistung erhoben wird.

VAT gibt es im UK erst seit 1973. Mittlerweile ist die Mwst eine der wichtigsten Einnahmequelle für die öffentliche Hand geworden.

Wann und in welcher Höhe muss die Mehrwertsteuer abgeführt werden?

Jedes Land in der Europäischen Union hat seine eigene Mehrwertsteuerrate. In Großbritannien gibt es drei verschiedene Varianten: 

  • Die Standardrate ist für die meisten Güter und Dienstleistungen relevant. Sie beträgt zur Zeit 20%.
  • In einigen Fällen gilt der reduzierte Steuersatz von 5%,  z.B. für Kindersitze, heimisches Öl oder Strom.
  • Bei speziellen Gütern wird keine Mehrwertsteuer erhoben. Diese sind z.B. Nahrungsmittel, Bücher, Zeitungen oder Kinderbekleidung.

Wie muss die Mehrwertsteuer ausgewiesen werden?

In Einzelhandelsgeschäften müssen die Preise inklusive der Mehrwertsteuer ausgewiesen werden. Bei Produkten, die in Katalogen, Magazines, Outlets oder dem Internet angeboten werden, kommt es auf die Zielgruppe an. Verkaufen Sie das Produkt an die breite Öffentlichkeit (Privatpersonen), weisen Sie den Bruttopreis, also inklusive der Mehrwertsteuer aus. Richten Sie Ihr Angebot ausschließlich an Gewerbetreibende, können Sie auch den Nettopreis angeben.

Gibt es Ausnahmen für kleine Betriebe?

Unternehmen deren Umsatz unter £82.000 liegt, müssen sich nicht für die Mehrwertsteuer in Großbritannien registrieren. Sie können sich freiwillig für die VAT anmelden.

Lieferschwelle für nicht im UK ansässige Unternehmen

Nicht im UK ansässige Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen nach UK liefern, müssen sich im B2C-Bereich ab dem 1. Pfund Umsatz in UK für die VAT registrieren. Es gibt also keine Lieferschwelle wie Sie diese aus anderen EU-Ländern kennen.

Im B2B-Bereich gilt das sonst auch übliche Reverse Charging. Ausgenommen sind Leistungen, die immer im UK Mwst-pflichtig sind. 

Bitte beachten

  • Die VAT-Registrierung in Großbritannien kann bis zu 6 Monate Zeit in Anspruch nehmen. Wir empfehlen dies bei der Unternehmensgründung und Geschäftsplanung mit einzukalkulieren.
  • Sobald Sie eine VAT-Nummer besitzen, müssen Sie vierteljährlich eine Umsatzsteuervoranmeldung (VAT-Return) zum HMRC abgeben. Sollte diese nicht fristgerecht eingreicht werden, wird hierfür eine Strafe, sowie ein geschätzter VAT-Betrag erhoben.

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Grundsteuer für gewerblich genutzte Immobilien (Business Rates - BR)

Benutzen Sie für Ihren Betrieb Räumlichkeiten im UK, so müssen Sie eine jährliche Grundsteuer entrichten. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie die Räumlichkeiten besitzen oder diese angemietet haben.

Da die Grundsteuer unabhängig von Gewinn und Umsatz bezahlt werden muss, wird sie von vielen Unternehmern scharf kritisiert. Reformprogramme der letzten Jahre sollen Abhilfe verschaffen.

Wie viel Grundsteuer muss ich bezahlen?

Die Höhe der Business Rates richtet sich nach dem offiziellen Mietwert der Räume und der ist natürlich von der Lage abhängig. Für preiswertere (in der Regel kleine) Räumlichkeiten gibt es einen reduzierten Tarif, um kleine Unternehmen zu entlasten.

Der Multiplikations-Faktor gilt landesweit und wird mit dem theoretischen Mietwert des Gebäudes multipliziert. Dieser Mietwert wirt alle fünf Jahre für jede einzelne Einheit in jedem Gebäude in ganz England von einer Behörde ermittelt. Er liegt momentan bei 46,2p für einen Mietwert ab £21.499 und bei 45,8p für geringere Mietwerte.

Rechenbeispiel 1

  • Büro mit einer Fläche von 1647 sqf (502 qm) in Holborn, London WC1
  • Mietpreis: £29.646 pro Jahr
  • Offizieller Mietwert: £21.500
  • Multiplikations-Faktor: 46,2p
  • Grundsteuer: £9933

Rechenbeispiel 2

  • Büro mit einer Fläche von 1800 sqf (548 qm) in Shoreditch, London E1
  • Mietpreis: £34.200 pro Jahr
  • Offizieller Mietwert: £23.750
  • Multiplikations-Faktor: 46,2p
  • Grundsteuer: £10.972

Wann muss die Grundsteuer bezahlt werden?

Die Grundsteuer ist entweder jährlich im Voraus zu bezahlen oder in 10 Raten per Lastschriftverfahren.

Bitte beachten

  • Achten Sie bei Immobilienanzeigen darauf, ob die Grundsteuer bereits in der Miete enthalten ist oder nicht („plus Rates“ bedeutet, dass die Grundsteuer nicht enthalten ist).
  • Business Rates müssen auch dann vom Hausbesitzer bezahlt werden, wenn das Gebäude leer steht.

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Einkommenssteuer (Income Tax - IT)

Die Einkommenssteuer ist eine Steuer auf das Einkommen, die von Arbeitnehmern und Selbstständigen bezahlt werden muss. Darüber hinaus können auch solche Personen einkommensteuerpflichtig sein, die zwar nicht arbeiten, aber Einkommen aus Pensionen oder Erträge aus Ersparnissen beziehen. Ebenso fallen auch Einkünfte aus Sozialtransfers, Mieteinkünften und einer Reihe weiterer Einkommensarten unter die steuerpflichtigen Einkünfte.

Die Einkommenssteuer wurde im UK von Premier William Pitt eingeführt, um die Kriege mit Napoleon zu finanzieren.

Wie hoch ist die Einkommenssteuer?

Einkommensteuer wird in drei Stufen berechnet. Dabei wird das Einkommen in den entsprechenden Stufen separat berechnet. Sie bezahlen also keinen einheitlichen Steuersatz auf Ihr gesamtes Einkommen, sondern es gelten verschiedene Steuersätze. Diese sind wie folgt:

  • £0 - 31.785: Basic Rate 20%
  • £31.786 - £150.000: Higher Rate 40%
  • Über £150.000: Additional Rate 45%

Dies sind jeweils Einkommen oberhalb des Freibetrages, wo zutreffend. Siehe unten.

Einkommen aus Dividenden

Erzielen Sie Einkommen aus Dividenden (z.B. von Ihrer eigenen UK Limited), gelten günstigere Steuersätze auf diese Dividenden. Diese richten sich nach Ihrem Gesamteinkommen:

  • Gesamteinkommen inkl. Dividenden £0 - 31.785: 0%
  • £31.786 - £150.000: Higher Rate 25%
  • Über £150.000: Additional Rate 30,56%

In der Konsequenz empfehlen wir kleineren Unternehmen, deren Gesellschafter im UK steuerpflichtig sind, sich den Freibetrag von £10.600 als Gehalt auszahlen zu lassen und den Rest als Dividende. So sind die ersten £38.785 an Sie ausbezahltes Gehalt bzw. Dividende einkommenssteuer- und praktisch sozialversicherungsfrei. Sie bezahlen lediglich 20% Körperschaftsteuer auf den Bruttogewinn. Das ist schon attraktiv.

Wie wird die Einkommenssteuer berechnet?

Die Einkommenssteuer für ein Steuerjahr berechnet sich grundsätzlich nach den folgenden fünf Schritten. Beachten Sie, dass die Steuerregelungen sehr komplex sind, sodass die beschriebene Vorgehensweise keine genaue Angabe für jeden Fall ist:

Schritt 1: Addieren Sie das zu versteuernde Einkommen aus den verschiedenen Einkommensarten. Ziehen Sie zu versteuernde Einkommensbestandteile wie Kinderfreibeträge bzw. Kindergeld oder Lotteriegewinne nicht ab, bzw. lassen Sie diese unberücksichtigt.

Schritt 2: Für das Steuerjahr fällige Steuerabzugsbeträge können Sie von dem zu versteuernden Einkommen abziehen. Das können beispielsweise einige Beiträge zur Altersrente oder bei Selbstständigen die Betriebsausgaben sein.

Schritt 3: Spezielle Steuervergünstigungen für bestimmte Personengruppen wie z.B. für manche ältere Personen können Sie ebenfalls abziehen.

Schritt 4: Multiplizieren Sie das zu versteuernde Einkommen mit dem entsprechendem Einkommenssteuersatz. Die Höhe des Steuersatzes hängt von der Höhe des Einkommens ab.

Schritt 5: Für verheiratete Steuerzahler gibt es noch spezielle Regelungen. Diese hängen unter anderem vom Heiratsdatum ab.

Persönlicher Freibetrag

Nahezu jeder, der im Vereinigten Königreich lebt, kann einen persönlichen Freibetrag bei der Einkommenssteuer geltend machen. Im jetzigen Steuerjahr beträgt der persönliche Steuerfreibetrag £10.600. Für ältere Personen über 65 Jahre gibt es spezielle Freibeträge, die höher liegen. Darüber hinaus existieren besondere Freibeträge für Blinde.

Achtung: Seit letztem Jahr gilt der volle Freibetrag nur noch, wenn Ihr Jahreseinkommen nicht mehr als £100.000 beträgt. Dann reduziert er sich pro £2 Einkommen über £100.000 um £1.

Werden auch Kapitaleinkünfte wie Dividenden besteuert?

Unter das zu versteuernde Einkommen fallen auch die erhaltenen Dividenden aus Unternehmensaktien. Ebenso muss auf Zinseinkünfte von Banken, Wohnbaugesellschaften und Investmentkonten Einkommenssteuer bezahlt werden. Ausgenommen sind sogenannte individuelle Sparkonten (ISAs) und persönliche Aktiensparpläne (PEPs). Für Dividendeneinkünfte gibt es spezielle Steuerraten, die niedriger sind als die gewöhnlichen Steuersätze.

Wie wird die Einkommenssteuer eingezogen?

Die wenigsten Steuerzahler bezahlen ihre Einkommenssteuer einmal im Jahr direkt. Bei der Mehrheit der Steuerzahler wird die Steuer direkt vom Einkommen abgezogen. Dieses Prinzip heißt Abzug an der Quelle (deduction at source). Bestimmte Personen, wie z.B. Selbstständige oder solche, die Mieteinkünfte beziehen, müssen die Steuer direkt an das HMRC (HM Revenue and Customs) bezahlen.

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Gemeindesteuer (Council Tax)

Die Council Tax ist eine Gemeindesteuer, die auf inländische Immobilien erhoben wird.

Die höchsten und niedrigsten Council Tax Sätze im UK

Wer muss die Council Tax bezahlen?

In der Regel zahlt derjenige die Council Tax, der im Zusammenhang mit der Immobilie als Verantwortlicher („liable“) auftritt. Dies ist meist die Person, die im Haus lebt. Lebt dort ein Paar, steht ein Name auf der Rechnung, verantwortlich sind jedoch beide. Manchmal ist es gar nicht so einfach festzustellen, wer verantwortlich ist und die Steuer bezahlen muss. Leben mehrere Personen in der Immobilie, gibt es sogar eine Hierarchie für die Verantwortlichkeit. Der Gesetzgeber legt fest, dass die Spitze der Hierarchie bezahlen muss. Die Steuerbehörden empfehlen, in Zweifelsfällen das nächste „Bürgerbüro“ (Citizens Advice Bureau) zu kontaktieren.

Wie hoch ist die Steuer?

Die Höhe der Steuer hängt vom Wert der Immobilie ab. Jede Immobilie wird in eines der insgesamt acht Bewertungsbänder einsortiert. Die Gemeinde legt jedes Jahr für jedes Bewertungsband einen eigenen Steuersatz fest. Den Wert bzw. das Bewertungsband bestimmt die sogenannte Valuation Office Agency, kurz VOA. Die Einstufung erfolgt auf Basis des Immobilienwertes vom 01. April 1991.

Wie erfahre ich den Steuersatz meiner Immobilie?

In welchem Band Ihre Immobilie einsortiert wird, können Sie entweder bei der Gemeindeverwaltung erfahren oder im Internet unter www.voa.gov.uk nachlesen. Eine Liste der Bewertungen wird von den Gemeinden häufig auch öffentlich, z.B. in Büchereien ausgelegt.

Welche Ausnahmen gibt es von der Steuer?

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum eine Immobilie vorübergehend oder grundsätzlich von der Steuer befreit ist. Dies kann sein, wenn die Immobilien z.B. vorübergehend leer stehen, weil sie unvermietet sind oder renoviert werden. Die genauen Möglichkeiten der Steuerbefreiung klären Sie am besten im örtlichen Bürgerbüro.

Wer kann einen Abschlag von der Steuer erhalten?

Personen, die substanziell und dauerhaft behindert sind, können eine Reduzierung der Steuer beantragen. Die Reduzierung der Steuer erfolgt durch Einordnung der Immobilie in ein niedrigeres, günstigeres Bewertungsband. Ein entsprechender Antrag muss in schriftlicher Form bei der Gemeindeverwaltung gestellt werden. Es gibt hierfür spezielle Formulare, in Einzelfällen wird ein ärztliches Attest verlangt.

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Kapitalertragssteuer (Capital Gains Tax - CGT)

Die Kapitalertragssteuer ist eine Steuer auf Erträge. Wenn Sie Vermögensgegenstände verkaufen oder abgeben, kann es sein, dass Sie eine Steuer auf die Wertsteigerung (Ertrag) zahlen müssen.

Wer ein Familienunternehmen verkauft, bezahlt nur 10% Kapitalertragssteuer.

Wann muss die Kapitalertragssteuer gezahlt werden?

Die Steuer wird grundsätzlich bei Verkauf, Abgabe oder anderweitiger Abschaffung von Wertgegenständen oder Teilen fällig. Das kann auch der Fall sein, wenn Sie für einen beschädigten Vermögensgegenstand einen Ausgleich erhalten.

Wie hoch ist die Steuer?

Die Steuerrate ist 18% für Personen der niedrigsten Steuerklasse, alle anderen bezahlen 28%. Es gilt ein jährlicher Freibetrag von £11.000.

Wie wird die Steuer entrichtet?

Die Kapitalertragssteuer wird einmal pro Steuerjahr entrichtet (vom 6. April des einen Jahres bis zum 5. April des Folgejahres). Angerechnet werden sämtliche zu versteuernde Erträge abzüglich anrechenbarer Kosten und Vergünstigungen, abzugsfähiger Verluste sowie eines Freibetrags.

Kapitalertragssteuer bei Aktiengeschäften

Die Kapitalertragssteuer kann bei der Veräußerung von bestimmten Investments anfallen. In der Regel sind dies Unternehmensaktien, Investmentfonds, Anleihen, Schuldverschreibungen und andere Wertpapiere.

Beachten Sie eine weitere Besonderheit im Zusammenhang mit Belegschaftsaktien. Sind die dazugehörenden Programme von HM Revenue & Customs (HMRC) geprüft und erfüllen bestimmte Regelungen, kann sich die Steuer reduzieren oder wegfallen. Mehr über die Kapitalertragssteuer bei Aktiengeschäften können Sie auf der Homepage von HMRC lesen.

Kapitalertragssteuer bei der Veräußerung von Betriebsvermögen

Bei der Veräußerung oder Abgabe von Betriebsvermögen kann auch Kapitalertragssteuer fällig werden. Unter das Betriebsvermögen fallen Aktien, Grundstücke und Gebäude, Einrichtungsgegenstände oder Montagen, aber auch der „Goodwill“ eines Unternehmens, wie z.B. der Wert des Unternehmensnamens oder seine Reputation.

Selbstständige müssen die Erträge, die aus der Veräußerung von Betriebsvermögen entstehen, in ihrer Steuererklärung angeben. Anders ist dies bei Kapitalgesellschaften. Dort sind solche Erträge Teil der Unternehmenseinkünfte, auf die Unternehmenssteuer gezahlt werden muss.

Selbstständige oder Mitglieder einer Partnerschaft sollten jedoch beachten, dass es eine Reihe von speziellen Steuererleichterungen, wie die Entrepreneurs’ Relief“ oder das „Gift Hold-Over Relief“, gibt.

Wann muss nicht gezahlt werden?

Es gibt zahlreiche Gegenstände oder Ausnahmen, bei denen die Steuer entfällt. Dazu zählen unter anderem:

  • Verkauf vom persönlichen Eigentum, das weniger als £6000 wert ist
  • Verkauf des eigenen (Haupt-)Hauses
  • Verkauf des eigenen Autos
  • Verkauf von UK-Staatsanleihen (Gilts)
  • Erträge aus Wetten oder Lotteriegewinnen

Was muss ich beachten?

Es ist empfehlenswert, folgende Punkte zu beachten:

  • Wenn Sie verheiratet sind oder mit Ihrem Partner zusammen leben, können Sie ihm Vermögensgegenstände übertragen, ohne dass die Kapitalertragssteuer anfällt.
  • Sie können allerdings keine Vermögensgegenstände an Ihre Kinder oder andere günstig verkaufen oder abgeben, ohne die Steuer zu entrichten.
  • Sie können unter bestimmten Umständen, Verluste aus anderen Geschäften, die unter die Kapitalertragssteuer fallen, mit zu versteuernden Erträgen verrechnen.
  • Wenn im Todesfalle jemand seine persönlichen Vermögensgegenstände vererbt, wird zunächst keine Kapitalertragssteuer fällig. Allerdings kann bei späterer Veräußerung der Gegenstände die Steuer fällig werden.

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Erbschaftsteuer (Inheritance Tax - IHT)

Verstirbt eine im UK steuerpflichtige Person, so wird auf das weltweite Gesamtvermögen des Verstorbenen Erbschaftsteuer in Höhe von 40% fällig. Dabei gilt jedoch ein Freibetrag von £325.000. Bei UK-Immobilien, die von Eltern und Großeltern an ihre Nachkommen vererbt werden, gilt ein Freibetrag von £1.000.000.

Die britische Erbschaftsteuer im europäischen Vergleich

Handelt es sich beim Verstorbenen um einen Non-Domiciled bzw. Remittance-Base Steuerzahler, so wird auf sein UK-Vermögen ebenfalls die Erbschaftsteuer fällig. Das Auslandsvermögen bleibt unberührt.

Beachten Sie, dass Trusts und andere Offshore-Strukturen keinen Schutz mehr vor der UK-Erbschaftsteuer bieten - wenigstens nicht, falls diese UK-Immobilien und anderes UK-Vermögen kontrollieren. Trusts und Offshore-Gesellschaften müssen ab 2015 alle 10 Jahre bis zu 6% Vermögenssteuer auf UK-Vermögen bezahlen.

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Grunderwerbsteuer (Stamp Duty Land Tax - SDLT)

Wer im UK ein Haus oder ein Grundstück erwirbt, das über £125.000 bzw. über £150.000 (gewerbliche Immobilien) wert ist, der bezahlt Grunderwerbsteuer auf den Kaufpreis. Die Höhe der Steuer richtet sich dabei nach dem Kaufpreis. Sie ist allerdings auch fällig, wenn der Kaufpreis mit einem Sachwert beglichen wird. SDLT ist sowohl beim Kauf von Freehold, als auch beim Erwerb von Leasehold-Immobilien und Grundstücken fällig.

Die Stamp Duty Land Tax wurde vor kurzem zu Lasten von Verkäufern teurer Immobilien reformiert.

Wie viel Grunderwerbsteuer muss ich bezahlen?

  • Auf die ersten £125.000 des Wertes der Immobilie: 0%
  • Auf £125.000 bis £250.000: 2%
  • £250.001 bis £925.000: 5%
  • £925.001 bis £1,5 Millionen: 10%
  • Alles über £1,5 Millionen: 12%

Rechenbeispiel: Sie kaufen eine Wohnung, die £275.000 wert ist. SDLT wird so berechnet:

  • 0% auf die ersten £125.000 = £0
  • 2% auf die nächsten £125.000 = £2500
  • 5% auf die letzten £25.000 = £1250

Gesamtsteuer = £3750

Grunderwerbsteuer beim Kauf gewerblicher Immobilien

  • Wert der Immobilie bis £150.000 oder Mieterlös pro Jahr weniger als £1000: 0%
  • Wert der Immobilie bis £150.000 oder Mieterlös pro Jahr größer als £1000: 1%
  • Wert der Immobilie bis £150.001 bis £250.000 : 1%
  • Wert der Immobilie bis £250.001 bis £500.000 : 3%
  • Wert über £500.000: 4%

Wann wird die Steuer fällig?

Die Steuer wird innerhalb von 30 Tagen nach Abschluss der Transaktion fällig. In der Regel behält allerdings Ihr Anwalt die Steuer ein und führ diese direkt an die Finanzbehörden ab.

Ausnahmen

Wird eine Immobilie oder ein Grundstück von einer Immobilien-Investment-Gesellschaft erworben, so gelten die oben genannten Steuersätze nicht. Stattdessen gilt ein Steuersatz von 15% ab einem Wert von £500.000.

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Soziale Absicherung & Sozialabgaben

Wie alle wichtigen EU-Staaten kennt auch das UK ein umfassendes Netz zur sozialen Absicherung. Für deutsche Verhältnisse erscheint dies punktuell recht weitmaschig und dürftig zu sein. Das ist letztlich auch darauf zurückzuführen, dass die Sozialabgaben im UK deutlich niedriger sind als in Deutschland.

Diese Grafik zeigt die Ausgaben des britischen Haushalts für die verschiedenen Elemente der sozialen Absicherung.

Staatliches Gesundheitswesen (National Health Service - NHS)

Es gibt im UK keine Krankenversicherungen wie man diese aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kennt. Stattdessen gibt es den National Health Service, ein umlagenfinanziertes Gesundheitssystem, das jeder nutzen kann, der im UK lebt. 

Wer krank ist, sucht seinen Hausarzt auf oder bei Notfällen das Krankenhaus. Sie müssen dort nichts bezahlen. Die Behandlung ist „kostenlos“ (d.h. Sie finanzieren sie über Ihre Steuern). Der NHS ist für lange Wartezeiten in der Notaufnahme berühmt-berüchtigt. Auch wer auf nicht dringende Behandlung durch einen Spezialisten wartet, muss zum Teil mit Monaten rechnen, bis er einen Termin bekommt.

Private Zusatzversicherungen sind möglich, um den Komfortfaktor zur erhöhen. Diese decken Leistungen ab wie Doppel- bzw. Einzelzimmer, freie Arztwahl, schnellere Behandlung usw.

Sozialversicherung (National Insurance - NI)

Die National Insurance ist eine von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu entrichtende Versicherung, die direkt vom Gehalt einbehalten wird. Mit dem National Insurance Beitrag werden die verschiedenen Sozialversicherungskomponenten abgedeckt. Es gibt keine separaten Beiträge für beispielsweise die Arbeitslosenversicherung.

Anders als in Deutschland wird die National Insurance direkt an die Finanzbehörde HMRC entrichtet. Dafür hat der Arbeitgeber bis zum 19. des Folgemonats Zeit.

Wie hoch sind die Arbeitnehmerbeiträge zur National Insurance?

Es gibt verschiedene NI-Klassen (z.B. unter 21-Jährige, Kriegswitwen usw.). In der folgenden Darstellung beschränken wir uns auf die Klasse A zu der die Mehrheit aller Mitarbeiter gehört.

  • NI auf die ersten £671/Monat Lohn und Gehalt: 0% (sozialversicherungsfrei)
  • £672 bis £3532/Monat: 12%
  • alles über £3532/Monat: 2%

Und was bezahlt der Arbeitgeber?

Im folgenden sind die Arbeitgeberbeiträge für die NI-Klasse A aufgeführt:

  • NI auf die ersten £671/Monat Lohn und Gehalt: 0% (sozialversicherungsfrei)
  • alles über £671/Monat: 13,8%%

Wie verhält es sich mit geldwerten Vorteilen?

Der Arbeitgeber hat auch NI-Arbeitgeberbeiträge auf geldwerte Vorteile zu entrichten, die dem Mitarbeiter zu Gute kommen. Der Arbeitnehmeranteil entfällt.

Was ist mit Kapitalerträgen?

National Insurance wird nicht auf Kapitalerträge fällig.

Bezahlen auch Selbständige National Insurance?

Auch Selbständige bezahlen National Insurance, allerdings zu anderen Sätzen:

  • Bis zu einem Jahresgewinn von £5965 wird keine NI fällig.
  • Auf einen Gewinn zwischen £5965 on £8060 werden £2,80 pro Woche fällig.
  • Auf einen Gewinn zwischen £8060 und £42.385 werden 9% NI fällig.
  • Auf Gewinne über £42.385 werden 2% NI fällig.

Kindergeld (Child Benefit - CB)

Child Benefit wird für Kinder, die im Haushalt leben, bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres (bzw. bis zum 20. Lebensjahr bei Auszubildenden, Schülern und Studenten) bezahlt.

Sie erhalten £20,70 pro Woche für das erste Kind und £13,70 pro Woche für alle weiteren Kinder. Child Benefit wird monatlich an Sie per Überweisung durch die Finanzbehörde HMRC ausbezahlt.

Die Höhe des Haushaltseinkommens ist dabei insofern relevant, dass bei einem Haushaltseinkommen über £50.000 Child Benefit zwar weiter bezahlt wird (und sich positiv auf die Höhe der späteren staatlichen Rente auswirkt), aber dass der Empfänger es über eine weitere Steuer teilweise wieder zurückbezahlen muss.

Steuergutschrift für Geringverdiener (Working Tax Credit - WTC)

WTC wird an Arbeitnehmer bezahlt, die mindestens 16 Stunden pro Woche arbeiten und denen aufgrund ihres geringen Verdienstes WTC zusteht. Dabei gelten, je nach der Anzahl der Personen im Haushalt, verschieden hohe Haushaltseinkommensgrenzen, die der WTC-Empfänger nicht übersteigen darf. Die Einkommensgrenzen sind wie folgt definiert:

  • Keine Kinder – alleinstehend: £14.000
  • Keine Kinder – Paar: £19.000
  • 1 Kind: £45.000
  • 2 Kinder: £60.000
  • 3 Kinder: £70.000

Wie hoch ist der WTC?

Der Basis WTC-Satz beträgt £1960 pro Jahr.

Kann ein höherer WTC-Satz beantragt werden?

Erfüllt der Antragsteller weitere Bedingungen, kann ein höherer Satz gewährt werden. Dabei gelten folgende Maximalsätze, die je nach Haushaltseinkommen für den Einzelfall individuell bestimmt werden. Für einen Antragsteller können mehrere Bedingungen zutreffen. Dann steht ihm ein entsprechend höherer Satz zu:

  • Für ein Paar, das gemeinsam WTC beantragt oder einen alleinerziehenden Elternteil: Bis zu £2010 pro Jahr
  • Für Antragsteller, die mindestens 30 Stunden pro Woche arbeiten: Bis zu £810
  • Für behinderte Arbeitnehmer: bis zu £2970
  • Für Schwerbehinderte: bis zu £1275
  • Kinderbetreuungskosten für Berufstätige: Bis zu 70% der Betreuungskosten

Wie wird WTC ausbezahlt?

WTC wird monatlich auf das Bankkonto des Antragstellers ausbezahlt.

Steuergutschrift für geringverdienende Eltern (Child Tax Credit - CTC)

Wer gering verdient, kann CTC beantragen, wenn er für Kinder im Haushalt sorgt, die unter 16 Jahren alt sind (bzw. 20 Jahre alt sind und sich in Ausbildung befinden).

Die Höhe des CTC richtet sich nach dem Einkommen und den Umständen und wird individuell festgelegt.

Wem CTC zusteht, der erhält zunächst £545 pro Jahr - den CTC-Basissatz. Dieser kann aufgestockt werden, wobei folgende Bedingungen zum Tragen kommen:

  • Für jedes Kind: Bis zu £2780 pro Jahr zusätzlich
  • Für jedes behinderte Kind: Bis zu £3140 zusätzlich
  • Für jedes schwerbehinderte Kind: bis zu £1275 zusätzlich

Kindergeld wird unabhängig von CTC ausbezahlt. CTC kann zusätzlich zu WTC ausbezahlt werden.

Staatliche Rentenversicherung (State Pension & Pension Credit)

Wer für mindestens 10 Jahre in die britische Sozialversicherung einbezahlt hat, erhält mit dem Eintritt ins Rentenalter eine staatliche Rente von maximal £151 pro Woche. Die Höhe der Rente richtet sich dabei nach der Höhe der einbezahlten Sozialversicherung.

Betriebliche Altersversorgung (Workplace Pension)

Ab 2015 sind mit wenigen Ausnahmen alle Arbeitgeber dazu verpflichtet, eine betriebliche Altersversorgung in ihrem Unternehmen zu etablieren. Angestellte und Arbeitgeber sind dazu verpflichtet in diese Rentenversicherung einzuzahlen. Dabei gelten die folgenden Minimalsätze, die vom Bruttolohn und -gehalt des Arbeitnehmers in die Rentenversicherung eingezahlt werden:

  • Arbeitnehmerbeitrag: 0,8%, steigend auf 4% bis 2018
  • Arbeitgeberbeitrag: 1%, steigend auf 3% bis 2018
  • Staatlicher Zuschuss: 0,2%, steigend auf 1% bis 2018

Die Beiträge in die betriebliche Rentenversicherung sind für den Arbeitnehmer steuerfrei. Arbeitnehmer, die weniger als £5824 pro Jahr verdienen, müssen nicht rentenversichert werden. Bis zu einer Höhe von £42.385 besteht Versicherungspflicht. Zusätzliches Einkommen kann optional zur Rentenversicherung mit herangezogen werden.

Wohngeld (Housing Benefit / Local Housing Allowance - LHA)

Wer wenig verdient, kann Wohngeld beantragen. Dabei ist die Höhe des maximal zulässigen Haushaltseinkommens nicht definiert, sondern richtet sich nach den persönlichen Umständen wie Anzahl der Personen im Haushalt, Größe der Wohnung usw.

Werden nicht alle Zimmer der Wohnung belegt oder nur zum Teil belegt, kann das Wohngeld reduziert werden. So wird grundsätzlich erwartet, dass Paare ein Schlafzimmer teilen, ebenso wie zwei Kinder unter 16 des gleichen Geschlechts und zwei Kinder unter 10 unabhängig vom Geschlecht.

Maximal werden folgende Wohngeldsätze gewährt:

  • 1 Schlafzimmer: bis zu £260,64 pro Woche
  • 2 Schlafzimmer: bis zu £302,33 pro Woche
  • 3 Schlafzimmer: bis zu £354,46 pro Woche
  • 4 Schlafzimmer: bis zu £417,02 pro Woche

Krankengeld (Statutory Sick Pay - SSP)

Wer mehr als 4 Tage krank ist, kann Krankengeld beantragen. Dies wird für bis zu 28 Wochen durch den Arbeitgeber ausgezahlt (dem es der Staat erstattet). Das Krankengeld beträgt £88,45 pro Woche. Gibt es eine durch den Arbeitgeber organisierte betriebliche Krankengeldversicherung, kann der Betrag höher ausfallen.

Mutterschaftsgeld (Statutory Maternity Pay - SMP) bzw. Vaterschaftsgeld (Statutory Paternity Pay - SPP)

Es gilt ein gesetzlich garantierter Mutterschaftsurlaub von 52 Wochen. Mutterschaftsgeld steht der Mutter für insgesamt 39 Wochen zu. In den ersten 6 Wochen stehen der Mutter 90% ihres durchschnittlichen Wochenverdienstes zu. Danach erhält die Mutter entweder 90% ihres durchschnittlichen Wochenverdienstes oder £139,58 pro Woche (den niedrigeren der beiden Beträge).

Nimmt die Mutter nicht den vollen Mutterschaftsurlaub in Anspruch, so kann der der Vater zu den gleichen Konditionen für maximal 26 Wochen gesetzlich geschützten Vaterschaftsurlaub beantragen.

Arbeitslosenversicherung (Jobseekers Allowance - JSA)

Wer arbeitslos wird, erhält, je nach Alter und vorherigem Verdienst, Arbeitslosenhilfe zwischen £57 und £114 pro Woche. Die Arbeitslosenhilfe wird alle zwei Wochen gezahlt.

Behindertenbeihilfe bzw. Unterstützung für Langezeitkranke (Disability Living Allowance - DLA / Personal Independence Payment - PIP)

Wer behindert ist oder langfristig schwer erkrankt, kann zwischen £39 und £139 pro Woche an staatlicher Unterstützung erhalten. Die Höhe des dem Antragsteller zustehenden Betrages wird individuell festgelegt und richtet sich danach, wie sehr ihn die Krankheit bzw. Behinderung beeinträchtigt, ist jedoch von der Art der Krankheit und Behinderung unabhängig.

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Steuerliche Erleichterungen & Gestaltungsmöglichkeiten im UK

Wie aus der umfangreichen Darstellung auf dieser Seite ersichtlich wird, kann der UK nicht als Niedrigsteuerland bezeichnet werden. In der Tat sind im Vergleich zu Deutschland manche Abgaben ähnlich hoch, auch wenn tendenziell von einem leicht niedrigeren Besteuerungsniveau ausgegangen werden kann.

Wer sein als Hauptwohnsitz genutztes Eigenheim verkauft, muss auf den Kapitalertrag keine Steuern bezahlen. Dieser Steuervorteil hat viele Briten reich gemacht.

Es gibt jedoch im UK eine Reihe von interessanten Steuervorteilen und Steuererleichterungen, die man bei geschickter Gestaltung gezielt nutzen kann. Zwar ist der UK damit kaum als Steueroase zu bezeichnen. Aber in Einzelfällen kann der UK ganz sicher extrem interessant sein – gerade für Ausländer mit hohem Einkommen und Vermögen, die gewisse Kontrollmöglichkeiten über ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse haben.

Verkauf der als Hauptwohnsitz genutzten UK-Immobilie

Wer im UK lebt und seine als Hauptwohnsitz genutzte Immobilie verkauft, tut dies steuerfrei. Es fällt keine Kapitalertragssteuer oder irgendeine andere Steuer an. Haltefristen bzw. Spekulationsfristen sind nicht zu beachten. Auch gibt es keinen Grenzwert, den der Erlös nicht übersteigen darf.

Wer eine Vorstellung davon hat wie stark die Immobilienpreise im UK in den letzten 30 Jahren gestiegen sind - vor allem in London - kann sich ausrechnen, dass auf diesem Weg viele Briten zu Millionären geworden sind. 

Verkauf des eigenen Unternehmens

Wer ein Unternehmen verkauft, das er als Selbständiger betreibt (oder als Gesellschafter in einer Personengesellschaft), oder aber mindestens zu 5% an einer Kapitalgesellschaft beteiligt ist, bei der er Angestellter oder Geschäftsführer ist, der bezahlt auf den Veräußerungserlös lediglich 10% Kapitalertragssteuern.

Bedingung ist, dass er mindestens 1 Jahr an dem Unternehmen beteiligt ist. Es muss sich um ein gewerblich ausgerichtetes Unternehmen handeln. Investment-Tätigkeiten beispielsweise zählen nicht dazu.

Ein Steuerzahler kann im Laufe seines Lebens maximal Unternehmensanteile im Gesamtwert von £10 Millionen veräußern und vom vergünstigten Kapitalertragssteuersatz von 10% profitieren. Auf alle Erträge oberhalb dieser Grenze wird der übliche Steuersatz fällig.

Non Domiciled Status & Remittance Base

Wer als Ausländer im UK lebt (Non Domiciled Tax Payer), bezahlt keine UK-Steuern auf Auslandseinkommen, die nicht auf ein UK-Konto fließen, sondern im Ausland verbleiben. Dies ist der Grund, warum so viele wohlhabende Ausländer nach England ziehen.

Einkommen, das auf ein UK Konto fließt, muss zu den üblichen UK-Steuersätzen versteuert werden.

Wer den Non-Dom-Status für mehr als 7 Jahre in Anspruch nehmen will, muss eine Pauschalsteuer von £30.000 pro Jahr bezahlen. Dieser Betrag erhöht sich mit längerer Anwesenheit auf bis zu £90.000 pro Jahr.

Der Non-Dom-Status kann maximal für 19 Jahre in Anspruch genommen werden. Danach ist das Welteinkommen im UK zu versteuern.

Körperschaftsteuersatz 18%

Der Körperschaftsteuersatz im UK wird bis zum Jahr 2020 auf 18% abgesenkt. Da es im UK keine Gewerbesteuer gibt, ist dies die einzige Steuer, die Kapitalgesellschaften zu bezahlen haben. Dies ist der niedrigste Körperschaftsteuersatz aller großen westlichen Industrienationen.

Holding Privileg

Eine UK-Gesellschaft kann als EU-Holding-Gesellschaft interessant sein und bietet eine Reihe von Vorteilen. An erster Stelle steht dabei, dass eine UK-Gesellschaft relativ schnell und einfach zu gründen ist. Es gibt keine Anforderungen hinsichtlich des Stammkapitals.

Des Weiteren sind Dividenden, die eine UK-Holding-Gesellschaft von einer Tochtergesellschaft aus einem anderen Staat vereinnahmt, in der Holding steuerfrei (EU-Mutter-Tochter-Richtlinie). Die gleiche Regelung gilt zusätzlich auch für Tochtergesellschaften in allen Staaten, mit denen der UK ein Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnet hat.

Besitzt eine UK-Holding-Gesellschaft einen maßgeblichen Anteil an einer Tochtergesellschaft (10% und mehr) für mindestens ein Jahr, so kann die UK-Holding-Gesellschaft diesen kapitalertragssteuerfrei veräußern.

Interessant ist auch, dass der UK keine Quellensteuer kennt und so eine Konstellation Sinn machen kann, bei der die UK-Gesellschaft als Zwischenholding installiert wird, welche wiederum Erträge an eine Offshore-Holding-Gesellschaft ausschüttet.

Hinsichtlich CFC-Rules (entsprechend dem deutschem Außensteuergesetz) gilt, dass die UK CFC-Rules vor allem darauf abzielen, Gewinnverschiebungen vom UK ins steuergünstigere Ausland zu vermeiden. Ausländische Tochtergesellschaften einer UK-Holding-Gesellschaft, die legitime Auslandsgewinne erzielen, sind also von den CFC-Rules nicht betroffen.

Enterprise Investment Scheme (EIS)

Mit dem EIS-Programm soll versucht werden, Investitionen in kleine und mittelständische Unternehmen zu fördern. Wer sich als im UK steuerpflichtige natürliche Person an einem solchen Unternehmen beteiligt, der kann bis zu 30% seiner Investitionen mit seiner Einkommenssteuer verrechnen.

Beispiel: Sie bezahlen £100.000 UK-Einkommenssteuer im Steuerjahr 2014/2015. Im gleichen Jahr investieren Sie £300.000 in ein britisches Kleinunternehmen, das für das EIS-Programm zugelassen ist. Sie erhalten nun eine Steuergutschrift von 30% Ihrer Investition, also £90.000. Ihre Steuerlast im UK reduziert sich somit auf £10.000 für das Steuerjahr 2014/2015.

Hinzukommt als weiterer Vorteil des EIS, dass Veräußerungserlöse solcher Beteiligungen von der UK-Kapitalertragssteuer befreit sind, wenn Sie die Beteiligung für mindestens drei Jahre halten. 

Business Investment Relief (BIR)

Wer in UK Non-Dom-Steuerzahler ist, muss bekanntlich sein Auslandseinkommen im UK nicht versteuern, so lange dieses nicht auf ein britisches Konto fließt. Im Umkehrschluss ist also Auslandseinkommen, das nach UK ausbezahlt wird, voll im UK zu versteuern.

Mit BIR will die britische Regierung einen Anreiz schaffen in kleine britische Unternehmen zu investieren. BIR erlaubt es Nom-Dom-Steuerzahlern, Auslandseinkommen steuerfrei nach UK auszubezahlen und in kleine britische Unternehmen zu investieren, die sich für BIR qualifizieren. Dabei gelten verschiedene Regeln, die im Detail zu beachten sind, aber auf die wir hier nicht weiter eingehen werden.

Wird der so erworbene Unternehmensanteil wieder verkauft, ist der Erlös in UK mit Kapitalertragssteuer zu versteuern und der ursprüngliche Investitionsbetrag darf nicht in UK verbleiben, sondern muss wieder auf das Auslandskonto zurückbezahlt werden.

Freilich kann BIR mit einem EIS-Investment kombiniert werden. Erfüllt das BIR-Investment die strengeren EIS-Kriterien, so kann auch die Kapitalertragssteuer vermieden werden.

UK-Personengesellschaften als steuerfreie EU-Gesellschaften

UK-Personengesellschaften, die keine im UK steuerpflichtigen Gesellschafter haben, die keine Einkünfte aus einer UK-Quelle erzielen und die auch keine Betriebsstätte im UK unterhalten, bezahlen keine Steuern im UK.

Damit lässt sich eine UK-Personengesellschaft als steuerfreie EU-Gesellschaft einsetzen, ohne dabei in die Nähe einer Offshore-Gesellschaft gerückt zu werden. Zu beachten ist im Wesentlichen, dass keine Umsätze mit im UK ansässigen Kunden erzielt werden. UK-Personengesellschaften lassen sich auch ideal als EU-Holding-Gesellschaften einsetzen.

Als entsprechende Rechtsformen stehen die Limited Liability Partnership und die Limited Partnership zur Verfügung.

Patent Box

Die Patent Box ist ein mittlerweile in einigen Ländern bekanntes steuerliches Konzept mit dem geistiges Eigentum (Intellectual Property/IP) steuerbegünstigt verwertet und vermarket werden kann. Andere Länder, die ebenfalls eine Patent Box kennen, sind Luxemburg und manche Kantone in der Schweiz.

Die Idee hinter der Patent Box leuchtet ein: Es soll ein Anreiz geschaffen werden für Unternehmen, geistiges Eigentum nicht mehr über Länder wie die Niederlande oder Irland zu verwerten, sondern im Sitzstaat des Unternehmens.

Die UK Patent Box sieht dabei vor, dass Erlöse aus im UK entwickeltem geistigen Eigentum mit nur 10% Körperschaftsteuer im UK versteuert werden müssen – deutlich weniger also als der sonst übliche Körperschaftsteuersatz von 20%.

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Politisches Klima & Mentalität bzw. Arbeitsweise der Steuerbehörde HMRC

Hier konnten Sie noch bis vor kurzem einen Abschnitt vorfinden, in welchem wir die britische Steuerbehörde HMRC als krasses Gegenbild zur deutschen Finanzverwaltung vorgestellt hatten – pragmatisch, einigermaßen unternehmerfreundlich und bei weitem nicht so ideologisch radikalisiert wie die deutschen Kollegen. 

Wappen des britischen Finanzministeriums HM Treasury

Besagten Abschnitt mussten wir nun entfernen, denn er entspricht nicht mehr den Tatsachen – leider, wie wir finden.

Man könnte meinen, dass HMRC bei den deutschen Finanzämtern in die Lehre gegangen ist. Methoden, die bislang im UK gänzlich unbekannt waren, werden über Nacht zur Normalität.

Ist HMRC bei der deutschen Finanzverwaltung in die Lehre gegangen?

Eine gewisse autoritäre – um nicht zu sagen repressive - Denkweise scheint sich auch bei den britischen Finanzbehörden durchzusetzen. Opfer dieser neuen Mentalität der Machtausübung sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Wie auch in Deutschland, so werden auch im UK große Unternehmen hofiert und genießen einen gepflogenen Umgang mit den Steuerbehörden.

Aber alles der Reihe nach: Während in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum die Finanzbehörden historisch eher den Ruf einer Finanzpolizei hatten, so hat sich die englische Steuerbehörde HMRC immer durch ein behördliches und verwaltungstechnisches Selbstverständnis ausgezeichnet.

Finanzpolizei oder Finanzbehörde?

Steuern zu erheben und wo nötig einzutreiben, war im Grundsatz kein staatlicher Gewaltakt, sondern ein Teil der öffentlichen Verwaltung. Man ging zivil, rücksichtsvoll und respektvoll mit dem Steuerzahler um. Pauschalisierte Verdächtigungen und Beschuldigungen waren im UK gänzlich unüblich. Man sah vor allem den Unternehmer nicht per se als Steuerhinterzieher, den es zu enttarnen gilt. Freilich konnte auch HMRC hart durchgreifen. Ein solch robustes Vorgehen war im Bewusstsein der Bevölkerung jedoch lediglich für das organisierte Verbrechen vorbehalten. Auch wurden solche Maßnahmen eher als Drohkulisse verstanden und um ein Exempel zu statuieren. Der Normalbürger konnte sich nicht vorstellen, davon auch nur entfernt betroffen zu sein.

Historisch ein deutlich handzahmeres Vorgehen

Dass eine Finanzbehörde z.B. Polizeigewalt hat oder Konten von säumigen Steuerzahlern einfrieren oder pfänden kann – das war bis vor Kurzem im UK völlig undenkbar.

Heute ist es leider Realität, zumindest in der Theorie. Uns ist persönlich kein Fall bekannt, bei dem es dazu gekommen wäre.

Auch war die Gerichtsbarkeit fast immer auf der Seite der Bürger. HMRC hat früher laufend peinliche Niederlagen vor Gericht eingesteckt. Und dies selbst dann, wenn die Steuerbehörde in der Sache Recht hatte. In vielen dieser Fälle befanden die Gerichte, dass HMRC im Kontext der Vollstreckung absolut unverhältnismäßig reagiert hat. Oder das Gericht entschied, dass der für die Steuererhebung maßgebliche Gesetzestext so schwammig formuliert ist, dass dem Steuerzahler kein Vorwurf zu machen ist, wenn er diesen zu seinen Gunsten auslegt.

Auch diese bürgerfreundliche Mentalität der Gerichtsbarkeit gehört leider der Vergangenheit an.

Was ist also die aktuelle Philosophie von HMRC?

Die britische Regierung unter den Konservativen hat in den letzten Jahre eine Reihe von vergleichsweise bescheidenen steuerlichen Vergünstigungen und Steuererleichterungen für Bürger und Unternehmen implementiert.

Auf Seiten der britischen Regierung ist man nun der Meinung, dass im Gegenzug für diese Großzügigkeit die Einhaltung der Vorschriften mit aller Härte durchgesetzt wird. Es soll keinen Raum mehr für Kulanz und individuelle Umstände geben. Man will durchgreifen.

Wie bereits oben erwähnt, wurde HMRC in diesem Kontext mit einer Reihe von neuen Machtbefugnissen ausgestattet. So kann die Behörde nun auch ohne Gerichtsbeschluss Konten pfänden (allerdings nur nach mehrmaliger schriftlicher Warnung). Weiterhin können nun ohne lange Voranmeldung Steuerprüfer bei Unternehmen auftauchen – aber eine Voranmeldung ist immer noch notwendig.

Daneben hat HMRC sich Zugriff auf alle möglichen Datenquellen geben lassen – so z.B. PayPal und eBay und forscht so nach Steuerzahlern, die bei ihrer Steuererklärung geschummelt haben.

Fazit: Ist HMRC Ihr deutsches Finanzamt 2.0?

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass HMRC im Vorgehen forscher wird und härter durchgreift. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um eine Entwicklung handelt, die noch nicht abgeschlossen ist.

Deutsche Zustände herrschen aber noch nicht. Diese Feststellung soll nicht als Entschuldigung für schlampige Buchhaltung und die Missachtung der Steuergesetze dienen. Vielmehr soll damit ausgesagt werden, dass unserer Erfahrung nach HMRC immer noch unternehmerfreundlicher ist als die deutschen Finanzämter. Es ist mit Gängelei von HMRC zu rechnen – aber noch immer mit deutlich weniger Gängelei als von einem deutschen Finanzamt.

So ist HMRC hinsichtlich der Absetzbarkeit von Betriebsausgaben weitaus großzügiger – beispielsweise auch, was Bewirtung, Reisekosten und ähnliche Punkte betrifft, die in Deutschland schon jede Menge Papierkrieg mit sich bringen.

Auch ist generell die Steuergesetzgebung erheblich weniger umfassend und komplex als in den deutschsprachigen Ländern. Der Brite ist deutlich pragmatischer und lässt noch immer mit sich reden.

Betriebsprüfungen sind im UK deutlich seltener als in Deutschland. Unserer Erfahrung nach werden die wenigsten UK-Unternehmen überhaupt irgendwann einmal im Laufe ihrer Unternehmensgeschichte geprüft.

Auch Jahresabschlüsse werden höchst selten und allenfalls stichprobenartig geprüft. Und aufgrund der Tatsache, dass UK Gesellschaften sehr schnell zu gründen und zu schließen sind, ist es im UK nicht unüblich, dass bei zu erwartenden Problemen mit HMRC (wohlmerklich kein Steuerstraftatbestand) die UK-Gesellschaft kurzfristig geschlossen und durch eine neue Gesellschaft ersetzt wird.

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