Auslandsgesellschaft zur Rechnungsstellung an das eigene bzw. ein nahestehendes Unternehmen

Ist es möglich, den Gewinn aus dem eigenen Unternehmen über eine Auslandsgesellschaft in einem Niedrigsteuerland „rauszuziehen“? Was ist dabei zu beachten?

Diese Seite ist Teil unserer Serie zur internationalen Steuergestaltung.

Sie kennen die Situation:

Sie sind Gesellschafter bzw. Eigentümer eines erfolgreichen Unternehmens, das attraktive Gewinne erwirtschaftet. Dieses Unternehmen hat seinen Sitz in einem der typischen Hochsteuerländer wie Deutschland, Österreich, Frankreich oder Italien.

Vermutlich befindet sich Ihr Wohnsitz im gleichen Land wie Ihr Unternehmen. Sie sind im Moment nicht in der Lage, ins Ausland umzuziehen.

Sie haben nun einen Plan:

Wäre es nicht schön, wenn man im steuergünstigen Ausland eine Gesellschaft gründen könnte, die dann Rechnungen an das eigene Unternehmen zu Hause stellt?

Diese Auslandsgesellschaft könnte somit den zu versteuernden Gewinn in Ihrem Unternehmen reduzieren. Sie könnten so jede Menge Steuern sparen.

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Fallstricke mit denen Sie rechnen müssen, wenn Ihre eigene Auslandsgesellschaft mit Ihrem Unternehmen zu Hause abrechnet

In der Tat: Dieser Plan klingt ziemlich gut und ziemlich einfach. Zu gut und einfach, um wahr zu sein! Wir raten dringend davon ab, sich hier schlecht informiert in ein Abenteuer zu stürzen!

Denn in der Realität würde ein solches Konstrukt bei falscher Gestaltung Ihnen ziemlich schnell „um die Ohren fliegen“ und kann Sie möglicherweise in erhebliche Schwierigkeiten mit dem Finanzamt bringen. Im schlimmsten Fall sind strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten.

Mit folgenden steuerrechtlichen Fallstricken und Herausforderungen müssen Sie unter anderem rechnen:

Nahestehendes Unternehmen

Ein Auslandsunternehmen, das Ihnen gehört, wird im Kontext der Abrechnung mit Ihrem Unternehmen zu Hause vom Finanzamt automatisch als „nahestehendes Unternehmen“ eingestuft – ein Unternehmen also, bei dem die Eigentümer bzw. handelnden Personen die gleichen sind wie bei Ihrem Hauptunternehmen.

Durch die Einstufung als nahestehendes Unternehmen gelten automatisch viel strengere Auflagen und Transparenzvorschriften. Das Auslandsunternehmen wird nicht als fremder Dritter betrachtet.

Illegale Zwischengesellschaft

Stellt das Finanzamt fest, dass die Gesellschaft im Ausland schlicht zum Zweck der steuerlichen Umgehung etabliert wurde, so wird die Auslandsgesellschaft als illegale Zwischengesellschaft eingestuft. Es droht der Tatbestand der Umgehung bzw. Steuerhinterziehung.

Einkaufsgesellschaft / Verkaufsgesellschaft

Wird das Unternehmen im Ausland als Einkaufs- bzw. Verkaufsgesellschaft eingestuft (also als eine Gesellschaft auf die Marge im Einkauf oder Verkauf verschoben wird), droht auch hier die Feststellung der illegalen Zwischengesellschaft.

Eine Einkaufs- bzw. Verkaufsgesellschaft ist eine Gesellschaft, die einen Großteil ihres Umsatzes mit nahestehenden Unternehmen erwirtschaftet.

Drittvergleich

Halten die Abrechnungen der Gesellschaft untereinander einem Drittvergleich nicht stand, kann dies die Aberkennung als Betriebskosten zur Folge haben. Wenn eine Auslandsgesellschaft Leistungen an Ihr Unternehmen in Rechnung stellt, müssen diese „at arm’s length“ - also wie unter fremden Dritten - im Preis angesetzt werden.

Fiktive Rechnungen

Stehen den Rechnungen der Auslandsgesellschaft keine tatsächlichen Leistungen gegenüber, welche die Auslandsgesellschaft für Ihr Unternehmen zu Hause erbracht hat, droht wiederum eine Unterstellung der Umgehung, die ein Steuerstrafverfahren zur Folge haben kann.

Funktionsverlagerung

Werden Unternehmensfunktionen (z.B. Marketing, Entwicklung usw.) an eine Tochtergesellschaft im steuergünstigen Ausland verschoben mit der Absicht der steuerlichen Optimierung, so spricht man von Funktionsverlagerung. Diese ist unzulässig und wird als Umgehung bewertet.

Mangelnde Substanz

Existiert bei der Auslandsgesellschaft keine Substanz (keine Räumlichkeiten, kein Personal, keine Geschäftsführung), so befindet sich die Betriebsstätte der Gesellschaft nicht im Ausland, sondern unter Umständen dort, wo Sie sich aufhalten.

Ein Finanzamt würde somit festlegen, dass auch die Besteuerung der Auslandsgesellschaft am Sitzstaat des Unternehmens zu Hause zu erfolgen hat.

OECD BEPS

Mit der im Oktober 2015 verabschiedeten OECD Richtlinie „BEPS“ (Base Erosion & Profit Shifting) werden eine Reihe von Modellen der internationalen steuerlichen Gestaltung unmöglich gemacht.

Hierzu zählt beispielsweise das von Amazon praktizierte Geschäftsmodell in großen Ländern wie Deutschland und UK nur Warenlager vorzuhalten und logistische Dienstleistungen zu erbringen. Bisher waren solche Warenlager in der steuerlichen Gesetzgebung nicht als Betriebstätte definiert.

So konnte es passieren, dass Unternehmen in Ländern wie Deutschland riesige Gewinne erzielten, diese aber nicht in Deutschland versteuern mussten, da der Ort der geschäftlichen Oberleitung Luxemburg war.

Solche und ähnliche Modelle sind in Zukunft nicht mehr zulässig. Ähnliche Regelungen gelten für Leistungen aus dem Forschungs- und Marketingbereich, den nahestehende Unternehmen im steuergünstigen Ausland erbringen.

Untreue

Als Geschäftsführer eines Unternehmens machen Sie sich ggf. der Untreue schuldig, wenn Sie Vertragsbeziehungen mit einem Lieferanten eingehen, welche das betroffene Unternehmen, dem Sie zur „Treue“ verpflichtet sind, finanziell benachteiligen.

Wenn Sie also Rechnungen von einer Auslandsgesellschaft an das Unternehmen zu Hause stellen und die dahinterstehenden Leistungen stellen effektiv keinen Wert für das Unternehmen dar, machen Sie sich unter Umständen der Untreue schuldig.

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Zwei Lösungsansätze für eine Auslandsgesellschaft, die an das eigene bzw. ein nahestehendes Unternehmen abrechnen soll

Im folgenden Abschnitt stellen wir Ihnen zwei Lösungsansätze zur Gestaltung einer Auslandsgesellschaft vor, welche an Ihr Unternehmen zu Hause Rechnungen stellen kann. Für welche Lösung Sie sich entscheiden, hängt im Wesentlichen vom erwarteten Umsatzvolumen und Gewinn ab.

Nächste Schritte

Gerne können wir Sie zum Thema internationale Steuergestaltung und Auslandsgesellschaften umfassend beraten. Bitte buchen Sie dazu ein Beratungsgespräch. Wenn Sie bereits ein Auslandsvorhaben geplant haben, können Sie uns dieses gerne im Rahmen einer unverbindlichen Potenzial-Analyse zur Kurzprüfung vorlegen.

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