Erfahrungsbericht: Wie ich im Jahr 2000 die BRD aus steuerlichen Gründen verließ und in die Schweiz umzog

Schon in jungen Jahren begann Herr Sauerborn, sich mit der internationalen steuerlichen Gestaltung zu beschäftigen. Wie es dazu kam erfahren Sie hier.

Als ich mich das erste Mal konkret mit dem Thema der internationalen Steuergestaltung auseinandersetzte, war ich 23 Jahre alt. Warum mich in diesem zarten Alter der Spitzensteuersatz mehr interessierte, als am Wochenende angeheitert auf Partys abzuhängen – darum geht es in der folgenden kleinen Anekdote aus meinem Leben.

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Erste Schritte: Wie das Leben so spielt

Wir schreiben das Jahr 2000. Ende Oktober, vielleicht November.

Ich bin 23 Jahre alt, verheiratet und habe drei kleine Kinder. Mit meiner jungen Familie lebe ich in Waldshut-Tiengen, einer Kleinstadt nähe der Schweizer Grenze. Rund 45 Autominuten von Zürich entfernt.

Die Dotcom-Blase ist noch nicht geplatzt. Schweizer Konzerne lancieren im großen Stil kommerzielle Internetprojekte. Die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der EU ist noch in der Planung. Der Arbeitsmarkt in der Schweiz ist abgeschottet. IT-Spezialisten sind rar.

Goldgräberstimmung

Aufgrund meiner IT-Projekterfahrung konnte ich im Jahr zuvor eine lukrative Position bei der Unternehmensberatung von PricewaterhouseCoopers (PwC) in Zürich aushandeln. Eine Festanstellung lehnte ich kategorisch ab. Stattdessen insistierte ich in jugendlichem Selbstbewusstsein auf einem sehr viel höher vergüteten Freelancing-Vertrag. Ich hatte Glück und war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich bekam den Vertrag, den ich wollte. Am Ende blieb ich für vier Jahre bei PwC.

Halle 550 in Zürich-Oerlikon. Hier war damals die PwC Unternehmensberatung zu Hause.

Mein Glück war auch, dass ich in die Beraterbranche einstieg, bevor nach dem 11. September 2001 die Euphorie hinsichtlich ambitionierter Internetprojekte ziemlich schnell in Nüchternheit und mancherorts in Panik umschlug (zumindest vorübergehend).

Aber als ich bei PwC anfange, herrscht immer noch Aufbruchsstimmung. Als Büro dient eine schick hergerichtete ehemalige Industriehalle der ABB in Zürich-Oerlikon (die „Denkfabrik“). Massive Stahlträger und Lastenkräne stehen in optischem Kontrast zu in Glas eingefassten Meetingräumen und Partner-Büros.

Im Jahr 2000 berechnet die Unternehmensberatung nicht selten Sfr. 4000 pro Tag für einen Studienabgänger im Projekteinsatz beim Kunden. Der Bedarf an qualifizierten IT-Kräften im Internetbereich ist enorm. Immer wieder fliegen Kollegen für nur ein Meeting in die USA oder sogar nach Australien – Business Class, versteht sich.

Glückliche Mitarbeiter = Erfolgreiches Unternehmen

Die Geschäftsführung weiß, wie wichtig die Mitarbeiter für das Unternehmen sind und lässt sich nicht lumpen. Den ganzen Tag über gibt es kostenlose Verpflegung im Office: Obst, Croissants, Sandwiches, frische Säfte. Aber das ist lange noch nicht alles: von Meditationsmöglichkeiten über Massage bis hin zur Hemden- und Anzugreinigung mit Abholung wird alles geboten.

Eines der ganz großen Internet-Projekte in der Schweiz damals: Die Internetbank y-o-u für die Vontobel Bank in Zürich.

Zur Weihnachtsfeier buchen wir das Kaufleuten exklusiv – zu der Zeit Zürichs Top- und Promiclub. Komplett mit Burlesk-Show und Jahrgangschampagner für alle. Immerhin 500 Kollegen.

Dem einen oder anderen steigt der Erfolg zu Kopf. Einer der erfolgreichsten Berater und ein Super-Nerd beginnt eine Beziehung mit einer der Reinigungsdamen. Diese fährt eines Tages im brandneuen Porsche Boxter und mit Burberry-Karo zum Putzen vor. Die Kollegen tuscheln. Die Geschäftsführung findet, dass die Grenzen des guten Geschmacks überschritten sind und interveniert. Man fürchtet auch, dass der gute Ruf des Unternehmens der Lächerlichkeit preisgegeben wird.

Die Atmosphäre bei PwC ist also voll positiver Energie und Motivation, manchmal etwas ausgelassen und verrückt, aber immer top-professionell. Ich liebe meinen Job!

Ist unser Berufsalltag also eine einzige Dauerparty? Ganz sicher nicht. 80-Stunden-Wochen sind keine Seltenheit. Wir sind ständig unter Strom und im Stress. Aber wir spüren, dass wir am Anfang einer neuen Epoche stehen und diese Erfahrung „mittendrin zu sein“ ist spannend und faszinierend.

Termin beim Steuerberater

In dieser Zeit der intensiven Arbeit und des Schaffens treffe ich meinen deutschen Steuerberater für ein „Routinegespräch“. Ein typisch deutscher Steuerberater aus einer deutschen Kleinstadt. Er kennt meine Einkommenssituation. Ich erwarte für das nächste Jahr eine weitere Steigerung meines Einkommens, da ich vermutlich eigene Mitarbeiter auf PwC-Projekten platzieren kann.

Mein letzter Wohnort in Deutschland: Waldshut-Tiengen. Hier zog ich im Jahr 2000 weg und kehrte Deutschland endgültig den Rücken zu.

Ich bin gut gelaunt und fühle mich unbesiegbar. Natürlich habe ich ganz andere Dinge im Kopf, als mich jetzt mit drögen Formalitäten wie meiner steuerlichen Veranlagung auseinanderzusetzen. Ich habe eigentlich gar keine Lust auf dieses Meeting. Ich will zurück ins Office und an meinen Projekten weiterarbeiten. Alles andere kann warten, oder?

In diesem Moment weiß ich noch nicht, dass dieser Termin mein Leben für immer verändern wird.

Die Büroleiterin bringt mir eine Tasse Kaffee (Filterkaffe und nicht der Kaffee aus der Espressomaschine, den ich gewöhnt bin, denke ich).

Die Realität der deutschen Steuerpolitik holt mich ein

Als der Steuerberater eine für mich erstellte steuerliche Berechnung aus der Schreibtischschublade zieht, falle ich fast vom Stuhl.

Das kann doch nicht wahr sein? Werde ich wirklich so viel an den deutschen Staat abliefern müssen? Die Summen erscheinen mir unglaublich hoch zu sein.

Es ist das erste Mal in meiner jungen Karriere, dass ich gut verdiene. Es ist das erste Mal, dass ich mir bewusst werde, welchen Einschnitt ich durch das deutsche Steuersystem zu erwarten habe. Bisher habe ich das Thema Steuern immer verdrängt.

Aber Verdrängung ist bei diesen Zahlen nicht mehr möglich. So euphorisch ich im Hinblick auf meine erfolgreiche und spannende Projektarbeit bin, so deprimiert macht mich die Aussicht, einen Riesenanteil meines Einkommens dem Finanzamt zu überlassen.

Das ist im Jahr 2000 mein persönlicher Einstieg in das Thema der internationalen Steuergestaltung.

Wie geht es weiter?

Es folgt eine relative kurze, aber intensive Phase der Abwägung und Planung. Gespräche mit Beratern und Familie. Es wird relativ schnell klar, dass es nur ziemlich wenige tragfähige Optionen gibt.

Eigentlich will ich Deutschland nicht verlassen. Ich fühle mich wohl und meine Eltern und Geschwister, sowie natürlich meine Freunde sind dort. Schon wieder umziehen, denke ich. Vor weniger als einem Jahr habe ich ein nettes Haus gemietet. Meinen Kindern und meiner Frau gefällt es in Waldshut-Tiengen. Ich genieße den Komfort.

Kann ich nicht einfach in Deutschland leben bleiben und „etwas drehen“?

Einfach eine Gesellschaft in der Schweiz gründen und die Anteile treuhänderisch halten lassen? Warum nicht? Andere aus dem Bekanntenkreis haben es genauso gemacht.

Aber je länger ich darüber nachdenke, desto abwegiger erscheinen mir waghalsige Konstrukte. Ich bin nicht der Typ, der schwarze Kassen in der Schweiz unterhält. Das Ganze erscheint mir zu riskant und vor allem viel zu stressig. Ich will eine einfache Lösung. Eine Lösung, die klar und simpel ist. Ohne Komplikationen. Eine Lösung, die auch nach außen gut erklärbar und vom Finanzamt überprüfbar ist.

Umzug in die Schweiz

Ich entschließe mich zum Umzug in die Schweiz. Natürlich will ich nicht irgendwo in die Schweiz ziehen. Wenn schon Steuern optimieren, dann richtig: Mein Wunschwohnort ist Freienbach (Kanton Schwyz) am Zürichsee, die damals steuergünstigste Gemeinde in der ganzen Schweiz und nur eine halbe Stunde mit der S-Bahn nach Zürich Hauptbahnhof.

Freienbach (Schwyz) am Zürichsee

Nach meinen konservativen Berechnungen spare ich durch den Umzug in die Schweiz mindestens €100.000 pro Jahr – selbst unter Berücksichtigung der höheren Lebenshaltungskosten in der Schweiz. Auch meine damalige Ehefrau lässt sich bei diesen Argumenten relativ leicht überzeugen (wir sind 23...). Ich gründe eine Schweizer AG, bei der ich angestellt werde. So erhalte ich in einem damals noch relativ komplexen Verfahren die Aufenthaltsbewilligung B für die Schweiz.

Am 01.01.2001 melde ich mich in Deutschland ab. Weniger als zwei Monate nach dem klärenden Gespräch mit meinem Steuerberater. Ein schneller, sauberer Schnitt. Ich glaube, dass es ein Abschied für immer ist. Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, nochmals in Deutschland zu leben.

In Freienbach miete ich ein Haus mit Seeblick, den ich noch heute vermisse. Später ziehen auch Herr Müller von der Müllermilch, Roger Federer und Kimi Räikönen in meine Nachbarschaft. Mir kommt der Gedanke, dass ich wohl etwas richtig gemacht haben muss.

Wir bleiben bis zum Sommer 2003 in Freienbach, als ich eine Position bei der Allianz-Versicherung in London annehme.

Analyse: Grundlagen einer erfolgreichen Strategie zur steuerlichen Gestaltung

Wenn ich Sie mit diesem kleinen Schwank aus meinem Leben unterhalten habe, dann freut es mich. Ich habe bei den Amerikanern gelernt, dass man trockene und eher theoretische Inhalte am besten an Hand von konkreten Fallbeispielen erläutert. Und genau das ist meine Absicht.

Lassen Sie uns auf Grundlage meiner Geschichte analysieren, was die Grundlagen einer erfolgreichen steuerlichen Gestaltung sind. Folgende Aspekte dazu lassen sich auf Basis meiner kleinen Geschichte identifizieren: 

  • Sie sind erfolgreich: Nur, wenn Sie erfolgreich sind, macht es Sinn, sich über das Thema der internationalen Steuergestaltung Gedanken zu machen. Erfolg definiere ich als einen Jahresgewinn im Ausland von mindestens €250.000. Wenn Ihr Auslandsvorhaben davon weit entfernt ist, verschwenden Sie Ihre Zeit.
  • Klarer Auslandsbezug: Nur wenn Sie ein Auslandsvorhaben etablieren können, bei dem die Wertschöpfung auch tatsächlich im Ausland erfolgt, ist eine steuerliche Gestaltung sicher.
  • Rentabilität: Rechnen Sie aus, wieviel Sie tatsächlich durch eine steuerliche Gestaltung sparen können. Wenn der Nutzen die Kosten nicht bei Weitem überwiegt, stelle ich die Sinnhaftigkeit in Frage.  
  • Je früher, desto besser: Die Steuerbehörden schießen sich immer mehr auf Unternehmer ein, die Gewinne ins Ausland verlagern. Idealerweise starten Sie das Unternehmen im Ausland und verlegen nicht ein bestehendes Unternehmen ins Ausland.
  • Tragfähigkeit und keine „Hacks“: Sie brauchen eine tragfähige Lösung und keine „Hacks“. Vergessen Sie die Idee, etwas zu „drehen“. Sie werden Aufwand treiben müssen und dieser Aufwand ist notwendig. Diese Kosten können Sie nicht sparen.
  • Keine Angst vor radikalen Lösungen und vor Komfortverlust: Sie dürfen keine Angst vor radikalen Lösungen haben – oder solchen, die Ihnen oder Ihrem Umfeld als radikal erscheinen. Wenn Ihnen beispielsweise der Gedanke an einen Umzug in ein fremdsprachiges Land den Angstschweiß auf die Stirn treibt, sollten Sie besser eine höhere Steuerbelastung in Kauf nehmen. Auch wenn Ihnen der Lebensstandard zu Hause so lieb und teuer geworden ist, dass Sie nicht darauf verzichten können, ist fraglich, ob das Thema Steuergestaltung überhaupt für Sie in Frage kommt.
  • Keep it simple: Vergessen Sie komplexe Firmenstrukturen und ähnliche Gebilde. Das sind Modelle, die endgültig der Vergangenheit angehören. Moderne Lösungen der steuerlichen Gestaltung sind schlank, einfach strukturiert und leicht durchschaubar.
  • Ihre Familie zieht an einem Strang: Nur wenn Sie Ihre Familie mit im Boot haben, macht eine steuerliche Gestaltung im Ausland Sinn. Selbst wenn Sie nicht ins Ausland umziehen, würde eine Auslandsgesellschaft häufiges Reisen ins Ausland notwendig machen. Wenn dies aufgrund Ihrer familiären Situation nicht möglich ist, kommt eine steuerliche Gestaltung im Ausland vermutlich nicht für Sie in Frage.
  • Schnelle Reaktion: Sobald Sie eine Lösung gefunden haben, ist eine schnelle und entschlossene Umsetzung ratsam. Je länger Sie zwischen den Stühlen sitzen, desto mehr Risiken ergeben sich für Sie. 

Wie die Geschichte weitergeht...

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