Delaware für Dummies:

Steuerparadies USA endlich verständlich

Was Sie schon immer über die „Steueroase“ Delaware und wissen wollten, Ihnen aber bisher niemand zusammenhängend erklären konnte

Hinweis US-Steuerreform: Bitte beachten Sie unsere Einlassungen zum Tax Cuts and Jobs Act of 2017, mit dem vor allem US-Unternehmen ab sofort massiv steuerlich entlastet werden.

Heutzutage ist Delaware wieder mal in aller Munde. Und das hat einen guten Grund: Der zweitkleinste Bundesstaat der USA ist ein wahrer Gigant, wenn es um die Anzahl der dort ansässigen Firmen geht: Mehr als 1 Million Unternehmen sind in Delaware registriert. Das macht verdächtig. Denn die meisten dieser Unternehmen sind "Briefkastengesellschaften" und somit mutmaßlich in Zockerei oder Zuhälterei involviert, wenn man den hiesigen Berichten Glauben schenken darf.

In Europa hat Delaware daher vor allem den Ruf als eine die Korruption und das organsierte Verbrechen fördernde Steueroase, die sogar – man höre und staune – den Cayman Islands den Rang ablaufen soll.

Und gleichzeitig sind fast alle börsennotierten amerikanischen Unternehmen in Delaware registriert und 65% der weltgrößten Konzerne ebenso. Facebook, Google, Apple sind allesamt Delaware Corporations.

Doch es geht nicht nur um Konzernzentralen amerikanischer Unternehmen. Daimler, Volkswagen, Deutsche Bank, Siemens: Wenn große deutsche Konzerne eine Konzerngesellschaft in den USA gründen, tun Sie das in Delaware. Hier kann man wohl schwer von Briefkastenfirmen sprechen. 

Wie ist diese Beliebtheit des Staates Delaware als Firmensitz zu erklären? Und warum geraten vor allem europäische Finanzpolitiker in Rage, wenn Sie von Delaware sprechen?

Hier zeigen wir die Hintergründe auf.

Auf dieser Seite

Muss eine in Delaware registrierte Kapitalgesellschaft (Inc.) keine Steuern bezahlen?

Körperschaftsteuer wird in den USA (wie überall auf der Welt) auf den Gewinn einer Kapitalgesellschaft („Corporation“) fällig.

In den USA erheben der Bund und die Bundesstaaten Körperschaftsteuer. Im Bund fallen bis zu 38% Körperschaftsteuer auf den Gewinn einer Kapitalgesellschaft an (Besteuerung von US-Corporations im Detail).

Die Bundesstaaten erheben weitere 0% bis 10% Körperschaftsteuer auf die Gewinne dort ansässiger Kapitalgesellschaften.

Delware erhebt keine Körperschaftsteuer auf Gewinne aus Lizenzen, Patenten, Marken- und Urheberrechten und allen anderen üblichen Einnahmen von Holding-Gesellschaften mit Sitz in Delaware.

Diese Einnahmen müssen aber dennoch im Bund mit bis zu 38% versteuert werden. Es wird also lediglich die Körperschaftsteuer auf Bundesstaatebene - ein vergleichsweise geringer Teil der gesamten Steuerlast - gespart.

Fazit: Selbst, wenn Delaware auf manche Gewinne einer Corporation keine Steuern erhebt, langt der amerikanische Fiskus auf Bundesebene immer noch kräftig zu. Wer 38% Steuern (mehr als in Deutschland!) bezahlt, wird kaum der Illusion verfallen, dass er Geschäfte in einer Steueroase betreibt.

Muss eine in Delaware registrierte Personengesellschaft (LLC) keinen Steuern bezahlen?

Personengesellschaften sind grundsätzlich nicht steuerpflichtig. Auch deutsche und österreichische Personengesellschaften bezahlen keine Steuern.

Steuerpflichtig sind die Gesellschafter von Personengesellschaften, die den Gewinn aus der Personengesellschaft mit Einkommensteuer versteuern müssen.

So verhält es sich auch in den USA.

Die am weitesten verbreitete Rechtsform bei Personengesellschaften in den USA ist die Limited Liability Company (LLC).

Hat eine LLC keine US-Gesellschafter, keine US-Geschäftsführer, keine US-Kunden und keine US-Betriebsstätte, sind die Gewinne der LLC in den USA nicht steuerpflichtig. Das gleiche Prinzip gilt übrigens auch für viele europäische (z.B. britische) Personengesellschaften.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die LLC in Delaware oder in irgendeinem anderen US-Bundesstaat registriert ist. Die gleiche Regelung gilt für LLCs in allen Bundesstaaten.

Leider hat das ganze einen Haken:

Ein US-Bankkonto für eine US-Gesellschaft kann seit kurzem nur noch mit einem Zeichnungsberechtigten eröffnet werden, der in den USA lebt. Somit entfällt die Steuerbefreiung für die LLC mit US-Konto, weil nun die LLC durch den US-Zeichnungsberechtigten Substanz in den USA hat. Selbst wenn die Gewinne ansonsten keinen US-Bezug haben, müssen diese nun in den USA versteuert werden.

Ein Bankkonto für die LLC kann natürlich in einem anderen Land als den USA eröffnet werden und somit sind die LLC-Gewinne ohne US-Bezug in den USA wieder steuerfrei. Aber wenn man diese bisher relativ einfach vor dem heimischen Finanzamt verschweigen konnte (und sich so der Besteuerung im Wohnsitzstaat entziehen konnt), hat man nun keine Wahl mehr:

Denn: Alle entwickelten Länder außer den USA (inklusive aller bekannten Offshore-Finanzzentren) nehmen seit 2016 am internationalen automatischen Informationsaustausch OECD CRS teil. Das Finanzamt des Begünstigten der LLC erfährt so automatisch von der Existenz der LLC und den Geldeingängen auf dem Konto der Gesellschaft.

Fazit: Die US-LLC – in Delaware oder einem anderen US-Bundesstaat registriert – ist somit kaum als Vehikel zur rechtswidrigen Steueroptimierung geeignet.

Werden Gesellschafter und Begünstigte einer Delaware-Gesellschaft tatsächlich nicht im Handelsregister in Delaware veröffentlicht?

In den USA verwaltet jeder Staat sein eigenes Handelsregister. Eine Zentralbehörde wie beispielsweise Companies House in UK gibt es nicht.

Alle US-Handelsregister sind online zugänglich und die dort veröffentlichten Informationen können von jedermann eingesehen werden. Welche Informationen beim Handelsregister im Rahmen der Gründung einer Gesellschaft eingereicht werden müssen und dann veröffentlicht werden, entscheidet jeder Bundesstaat selbst.

Hier sehen Sie einen Screenshot eines Handelsregistereintrages in Delaware (Stand: April 2016). Durch klicken auf das Bild gelangen Sie zur Vollansicht.

Wie Sie selbst sehen können, sind weder Gesellschafter, noch Geschäftsführung der Gesellschaft im Handelsregister veröffentlicht. Es wird lediglich der Name und der Registersitz in Delaware veröffentlicht.

Es ist also korrekt, dass die Privatsphäre der Gesellschafter und Geschäftsführung in Delaware extrem gut geschützt ist.

Denn der Clou ist folgender: Die Informationen zu den Gesellschaftern und zur Geschäftsführung einer Delaware-Gesellschaft wird beim Gründen der Gesellschaft gar nicht abgefragt.

Das Handelsregister fragt lediglich nach dem Namen und der Adresse der Gesellschaft. Und natürlich kennt das Handelsregister den Anwalt oder Steuerberater, der die Gesellschaft gründet.

Aber die tatsächliche Identität der handelnden Personen ist den Behörden in Delaware nicht bekannt.

(Die interessante Frage ist somit auch, wie Sie überhaupt nachweisen können, dass Sie an einer Gesellschaft beteiligt sind oder diese als Geschäftsführer vertreten können).

Wird freilich dann ein Konto in den USA eröffnet, muss dafür eine Steuernummer beantragt werden. Dabei muss den US-Behörden gegenüber mindestens ein Mitglied der Geschäftsleitung identifiziert werden. Diese Information wird aber nicht veröffentlicht und somit bleibt der Schutz der Privatsphäre enthalten.

Und da die USA nicht am automatischen Informationsaustausch OECD CRS teilnehmen, sind ausländische Begünstigte einer Delaware-Gesellschaft besonders geschützt.

Festzustellen ist allerdings, dass Delaware keine Sonderposition in den USA einnimmt. Kein US-Bundesstaat veröffentlicht die Daten der Gesellschafter einer Corporation im Handelsregister und es gibt auch noch andere Bundesstaaten außer Delaware, die praktisch keine Informationen zur Geschäftsführung veröffentlichen. Delaware ist hier lediglich der bekannteste Bundesstaat.

Und, nochmal: Die Anonymität, die Delaware bietet, mag attraktiv klingen. Die Frage ist, was diese Anonymität bringt, die ja letztlich nur ohne Konto komplett aufrechterhalten werden kann. Wie kann man eine Gesellschaft ohne Konto konkret im Alltag verwenden? Was bringt einem diese Gesellschaft?

Fazit: Der Schutz der Privatsphäre für Gesellschafter und die Geschäftsführung einer in Delaware registrierten Kapitalgesellschaft ist phänomenal, wenn auch nicht einzigartig in den USA.

Warum aber sind so viele Großunternehmen in Delaware registriert?

Für um Transparenz bemühte Großunternehmen wie Facebook und Google kann es wohl kaum von Interesse sein, dass die Daten der Aktionäre nicht im Handelsregister veröffentlicht werden. Warum sind trotzdem mehr als die Hälfte aller börsennotierten Konzerne in den USA in Delaware registriert?

Der Grund dafür ist das extrem unternehmerfreundliche Gesellschaftsrecht in Delaware: Zum einen ist der Staat für US-Verhältnisse sehr alt und kann somit auf eine Fülle von Präzedenzfällen und Justiz-Historie zurückgreifen. In den USA, wo Präzedenzrecht (Case Law) gilt, ist das ein wichtiger Vorteil.

Zum anderen werden Unternehmensfälle in Delaware vor dem Chancery Court verhandelt – ein altmodisches Schiedsgericht ohne Geschworene. Im klagewütigen Amerika ist dies ein großer Vorteil, denn professionelle Richter entscheiden tendenziell eher zu Gunsten eines Unternehmens, als z.B. zu Gunsten eines Klägers, der das Unternehmen auf Schadenersatz verklagt.

Ein weiterer Vorteil Delawares ist die effiziente Infrastruktur, die geradezu auf Unternehmen zugeschnitten ist. Die Behörden haben lange Öffnungszeiten. Gesellschaften können gegen Zuschlag bereits in einer Stunde gegründet werden. Dies kann z.B. bei dringenden Verhandlungen und Verkaufsgesprächen entscheidend sein.

Fazit: Delaware bietet großen Unternehmen handfeste Vorteile, wenn es um Rechtsprechung und Effizienz bei der Verwaltung von Kapitalgesellschaften geht.

Andere US-Bundesstaaten wie Nevada, Wyoming usw.

Wir wollen an dieser Stelle auch noch kurz auf andere US-Bundesstaaten eingehen, die oft in einem Atemzug mit Delware genannt werden. Hier stehen Wyoming und Nevada an er erster Stelle und sind fast ebenso „berühmt berüchtigt“ wie Delaware.

Für beide Staaten gilt analog, was wir bereits zu Delaware gesagt haben:

  • Keine Körperschaftsteuer auf Bundesstaatebene: Beide Bundesstaaten erheben keine Körperschaftsteuer. Es wird also nur die Körperschaftssteuer auf Bundesebene fällig (15% - 38%, abhängig vom der Höhe des zu versteuernden Gewinns).
  • Guter Schutz der Privatsphäre: Es werden nur relativ wenige Informationen im Handelsregister veröffentlicht.

Doch auch hier gelten die schon bei Delaware genannten Einschränkungen: 

  • Wird ein Konto in den USA eröffnet, wird eine US-Steuernummer benötigt und zwangsläufig die Identität wenigstens einer der handelnden Personen an die Behörden übermittelt. Gleichzeitig ergibt sich steuerliche Veranlagung in den USA.
  • Wird ein Konto außerhalb der USA eröffnet, wird dieses vom automatischen Informationsaustausch nach OECD CRS erfasst und Ihr Finanzamt wird über die Existenz der Gesellschaft informiert.

Fazit: Egal, für welchen Sitzstaat in den USA Sie sich entscheiden: Es gilt für alle US-Gesellschaften, dass ein Höchstmaß an Anonymität nur so lange gewährleistet ist, bis die Gesellschaft ein Konto eröffnet.

Was kann Delaware für Sie tun?

Delaware bietet Unternehmern konkrete Vorteile. Allerdings sollte man sich keinen Illusionen hingeben und alles glauben, was man in einem Online-Forum oder in einer Zeitung liest.

Ohne Zweifel ranken sich Mythen um Delaware und nur ein Teil dieser Mythen hat einen wahren Kern. Hier haben wir versucht, mit dieser Seite aufzuklären.

Wie gesagt – viele Bundesstaaten in den USA bieten gleiche oder wenigstens ähnliche Vorteile wie Delaware. Ob der Chancery Court für Sie tatsächlich entscheidend ist, wage ich zu bezweifeln.

Unsere Kanzlei gründet und verwaltet C-Corporations in 8 Bundesstaaten (darunter Delaware), inklusive einem Geschäftskonto in den USA bei einer der Top US-Banken. Wir stellen außerdem einen in den USA anässigen Director für Ihre Gesellschaft. Nur der Name dieses Directors wird an die Behörden in den USA übermittelt, wo nötig (z.B. bei der Beantragung der US-Steuernummer).

Aus unserer Sicht ist die steuerfreie LLC in Delaware oder einem anderen US-Bundestaat nicht mehr sinnvoll und Unternehmer sollten die Hände davon lassen – außer, Sie wohnen in den USA.

Häufige Fragen rund um Steuern, Firmengründung & Wohnsitznahme in den USA (FAQs)

Wir haben über 150 der häufigsten Fragen und Antworten (FAQs) zum Thema Steuern, Firmengründung und Wohnsitznahme in den USA in unserer Wissensdatenbank für Sie zusammengestellt. Bitte klicken Sie hier, um zu unserer Knowledge Base zu gelangen. Finden Sie Ihre persönlichen Fragen dort nicht beantwortet, raten wir Ihnen zur Buchung eines kostenpflichtigen telefonischen Beratungsgesprächs.

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Wenn auch Sie ein Vorhaben planen, dass Sie ggf. in den USA umsetzen wollen, werden Sie sich vermutlich schon intensiv mit den Rahmenbedingungen in den USA auseinandergesetzt haben. Man kann heute online schon in kurzer Zeit eine Fülle von Informationen zu praktisch jedem Thema (und auch zu den USA) finden.

Dabei ist es nicht unüblich, dass man irgendwann an einen Punkt gelangt, ab dem die Verwirrung zu – und die Klarheit abnimmt. Es sind einfach zu viele Gesichtspunkte gleichzeitig zu berücksichtigen. Die Ausgangslage ist komplex.

Vielleicht mussten Sie auch feststellen, dass die meisten lokalen Steuerberater in den USA und zu Hause von den internationalen Zusammenhängen zu wenig Ahnung haben, um Ihnen wirklich weiterhelfen zu können.

Um den geistigen Knoten zu lösen und den Weg für weiterführende Gedanken frei zu machen, bieten wir jetzt Ihnen ein einstündiges telefonisches Beratungsgespräch zum Thema Steuern, Gesellschaftsgründung und Wohnsitznahme in den USA an. 

Im Rahmen dieses Gespräches können wir über konkrete technische Fragen sprechen (z.B. steuerliche Aspekte, US-Corporation oder LLC), oder einfach nur diverse strategische Optionen, die Sie in Erwägung ziehen, diskutieren. Sie bestimmen den Inhalt des Gespräches und geben das Tempo vor.