Mögliche Vorteile des Brexit

Ist der Brexit eine einzige Katastrophe oder könnte der EU-Austritt Großbritanniens auch Vorteile mit sich bringen?

Diese Seite ist Teil unserer Serie zu Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union

Wie auch bei der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA geht der einigermaßen gebildete und weltoffene Zeitgenosse bei Brexit reflexartig davon aus, dass es sich um eine nationale Katastrophe handelt.

Ich kenne Großbritannien und die USA gut und beobachte beide Entwicklungen kritisch, allerdings sind auch aus meiner Sicht potenzielle Vorteile von Brexit durchaus zu erkennen.

Man wird die tatsächliche Entwicklung in den nächsten Jahren abwarten müssen, um beurteilen zu können, welche Chancen verwirklicht und welche vertan wurden.

Zur Seitenübersicht

Auf dieser Seite

Ein großes europäisches Land außerhalb der EU

Machen wir uns nichts vor: Nicht jeder findet, dass die EU die eierlegende Wollmilchsau ist, als welche sie uns immer angepriesen wird. Ich spreche immer wieder mit sehr erfolgreichen Mandanten, welche die EU für ein Auslaufmodell halten und den Euro am Abgrund sehen. Sie wollen sich am liebsten aus der EU verabschieden.

Aber was sind die Alternativen? Wo kann man in Europa einen persönlichen und wirtschaftlichen Lebensmittelpunkt außerhalb der EU aufbauen? Die Schweiz ist dabei nicht für jeden Unternehmer attraktiv und ihre Bücklingshaltung gegenüber der EU und Deutschland eher fragwürdig.

London dagegen ist die größte Stadt Europas und fraglos mit New York die Hauptstadt der Welt. Das UK als Ganzes ist eines der größten und reichsten Länder Europas und die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das kann als Standort attraktiv sein.

Und die landschaftliche Vielfalt, Verkehrsanbindung, Stabilität und das kulturelle Angebot Großbritanniens liegen auf der Hand. Wer Kinder hat, den wird interessieren, dass die britischen Privatschulen und Universitäten zu den besten der Welt zählen.

Hier gibt es eine Chance für das UK, gerade die EU-müden Eliten anzuziehen, die einen attraktiven Standort in Europa, aber außerhalb der EU suchen.

Zur Seitenübersicht

Wettbewerb mit anderen europäischen Ländern

Großbritannien wird sich für ausländische Investoren, Unternehmen und „die richtigen“ Einwanderer auch weiterhin als möglichst attraktiv präsentieren wollen. Durch den Wegfall der EU-Mitgliedschaft ist dabei ein wichtiger für das UK sprechender Vorteil eingebüßt worden.

Irland wird in Zukunft noch wichtiger werden. Wer eine Präsenz in einem englischsprachigen EU-Land sucht hat nun außer Irland (und eingeschränkt Malta) keine Alternativen mehr.

Das UK wird daher andere Stärken in Zukunft mehr betonen müssen. Gleichzeitig wird man aber auch dazu übergehen, mit anderen Ländern wie z.B. Irland offen in Konkurrenz zu treten.

Es bleibt abzuwarten, ob dies über Steuersenkungen erfolgt oder weniger Regulierungen.

Zur Seitenübersicht

Mögliche Steuersenkungen für Unternehmen

Hier erfahren Sie mehr zur Gründung und Betreuung von UK-Gesellschaften 

Über Steuersenkungen nach Brexit wurde viel spekuliert. Manche erwarten nun, dass der UK zur neuen Steueroase mitten in Europa wird. Ob es wirklich dazu kommt, wird davon abhängen, wie die EU-Verhandlungen in den nächsten Monaten und Jahren laufen.

Eine mögliche Senkung der Körperschaftsteuer auf das Level von Irland (12,5%) oder sogar weniger ist meiner Meinung nach kein wirklicher Plan, sondern eher eine Drohkulisse an die EU. Eine Absenkung von derzeit 19% auf 15% halte ich aber für denkbar. Eine Gewerbesteuer gibt es in UK ohnehin nicht.

Ich kann momentan nicht sehen, dass die Einkommensteuer gesenkt wird.

Der Non-Dom-Status wird meines Erachtens langfristig gesichert sein und ggf. sogar weiter gelockert werden.

Zur Seitenübersicht

Mehr Arbeitgeberfreundlichkeit

Das UK ist traditionell ein arbeitgeberfreundliches Land. Bis vor einigen Jahren herrschte eine „hire and fire“ Mentalität. Vieles hat sich seitdem verändert, zum Teil auch auf Druck der EU.

Herauszuheben ist hier die Bestimmung der EU zur Wochenarbeitszeit. Diese hat selbst bei britischen Angestellten für Kopfschütteln gesorgt, da somit nur noch begrenzt die Möglichkeit besteht, sich über Überstunden ein Zubrot zu verdienen.

Es ist daher möglich, dass solche von der EU bestimmten Einschränkungen und Auflagen seitens der britischen Regierung wieder rückgängig gemacht werden.

Damit soll das UK auch für ausländische Investoren interessant gemacht werden.

Zur Seitenübersicht

Das Pfund als Chance

Der Wert des Pfund Sterling hat nach der Brexit-Entscheidung zunächst gelitten, aber es ist davon auszugehen, dass es hier zur Erholung oder wenigstens zur Stabilisierung kommen wird. Die britische Wirtschaft ist robust.

Nach Meinung vieler Experten verbergen sich im Euro gigantische versteckte Risiken, welche vor allem auf Südeuropa konzentriert sind. Niemand weiß letztlich, wie es mit dem Euro langfristig weitergeht, da die EU aufgrund ihres Ungleichgewichts und der großen Unterschiede zwischen den Ländern den Eindruck einer brüchigen Allianz macht.

Man kann argumentieren, dass die Risiken des Pfunds weniger komplex sind, weil Großbritannien ein einzelner Staat und kein hochkompliziertes Staatengebilde ist.

Und abhängig davon, wie sich die britische Wirtschaft in den nächsten Jahren entwickelt, kann das Pfund zu einer interessanten Währung werden. Vor allem, wenn die Lage des Euro sich weiter verschlechtert.

Zur Seitenübersicht

Deregulierung des Finanzsektors

Gerade im Bankensenktor war der Missmut groß darüber, dass die EU nach der letzten Wirtschaftskrise und Rezession die Daumenschrauben der Regulierung merklich angezogen hat.

Da sollten Boni beschränkt und manche Finanzgeschäfte verboten bzw. stark eingeschränkt werden. Ich schreibe dies ohne Wertung. Es mag durchaus Sinn machen, die Banken mehr zu regulieren.

Allerdings ist davon auszugehen, dass die City of London den Brexit auch als Befreiungsschlag erlebt hat. Zwar ist die Sorge groß, dass nun die Banken ihre Mitarbeiter aus London abziehen. Und dazu wird es auch teilweise kommen.

Allerdings wollen die wenigsten internationalen Banker in Frankfurt oder Paris leben. Außerdem wird ein Großteil der Geschäfte in der City außerhalb der EU gemacht und wäre daher von einer möglichen Einschränkung der EU-Geschäfte nicht betroffen.

Es ist daher wahrscheinlich, dass die UK-Regierung den Bankenstandort UK stärken will und plant, diesen weiter zu deregulieren.

Zur Seitenübersicht

Stärkung des Non-Dom-Status

Hier erfahren Sie mehr zum Non-Dom-Status im UK

Brexit ist leider durch und durch von fremdenfeindlichen Parolen geprägt, die ich als Ausländer im UK klar ablehne. Die direkte Demokratie wird nicht ohne Grund als Diktatur des Mobs bezeichnet. Ähnlich motivierte Volksabstimmungen in der Schweiz in den letzten Jahren bestätigen dies nur.

Trotzdem: Die UK-Regierung wird tun was sie kann, um das Land für vermögende und gutverdienende Ausländer attraktiv zu machen. Der Non-Dom-Status ist dabei wohl eines der wichtigsten Asse im Ärmel der Politiker.

Ich halte es daher für absolut nachvollziehbar, dass der Non-Dom-Status weiter gestärkt wird und sogar zu Gunsten der Non-Doms gelockert wird. Vorstellbar sind z.B. weniger Kontrollen der Non-Doms durch HMRC, eine Verlängerung des Status, der momentan auf 19 Jahre beschränkt ist oder eine Lockerung der Remittance-Regeln, um Investitionen im UK anzukurbeln.

Zur Seitenübersicht

Häufige Fragen rund um den Brexit

Wir haben über 100 der häufigsten Fragen und Antworten (FAQs) zum Thema Brexit in unserer Wissensdatenbank für Sie zusammengestellt. Bitte klicken Sie hier, um zu unserer Knowledge Base zu gelangen. Finden Sie Ihre persönlichen Fragen dort nicht beantwortet, raten wir Ihnen zur Buchung eines kostenpflichtigen telefonischen Beratungsgesprächs.

Beratungsgespräch zum Brexit und den Folgen für Sie (und/oder Ihr Unternehmen)

Wenn auch Sie als Nicht-Brite sich mit Strategien und Lösungsansätzen zu Ihrer Zukunft in Großbritannien beschäftigen, werden Sie sich vermutlich schon intensiv gedanklich mit dem Thema Brexit auseinandergesetzt haben.

Dabei ist es normal, dass man irgendwann an einen Punkt gelangt, ab dem die Verwirrung zu- und die Klarheit abnimmt. Es sind einfach zu viele Gesichtspunkte gleichzeitig zu berücksichtigen. Die Ausgangslage ist komplex.

Um den geistigen Knoten zu lösen und den Weg für weiterführende Gedanken frei zu machen, bieten wir Ihnen jetzt ein einstündiges telefonisches Beratungsgespräch zum Thema Brexit und den Konsequenzen für Sie und/oder Ihr Unternehmen an.

Im Rahmen dieses Gespräches können wir über konkrete technische Fragen sprechen (z.B. steuerliche Aspekte, Sitzverlegung Ihrer UK-Gesellschaft nach Irland), oder einfach nur diverse strategische Optionen, die Sie in Erwägung ziehen, diskutieren. Sie bestimmen den Inhalt des Gespräches und geben das Tempo vor.

Auf dieser Seite erfahren Sie mehr zu unserem Brexit-Beratungsangebot.

Zur Seitenübersicht