Brexit-Folgen für EU-Unternehmen mit geschäftlichen Beziehungen nach UK

Was die EU-Wirtschaft und insbesondere Export-Unternehmen von Brexit erwarten können

Diese Seite ist Teil unserer Serie zu Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union

Großbritannien ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU und ein entsprechend großer Handelspartner der anderen EU-Länder. 2015 exportierte das UK Waren und Dienstleistungen im Wert von £230 Milliarden in die EU.

Im gleichen Zeitraum exportierten die verschiedenen EU-Länder Waren und Dienstleistungen im Wert von £290 Milliarden nach UK. Rund 8-17% aller EU-Exporte fließen somit nach UK (je nach statistischer Methode). Auffallend ist somit das hohe Handelsdefizit zu Gunsten des UK.

Die hier genannten Zahlen beruhen auf Werten des britischen Statistikamtes. Gemäß des Datenmaterials der EU-Kommission haben die EU-Länder 2015 sogar Waren und Dienstleistungen im Wert von £350 Milliarden nach UK exportiert.

Zur Seitenübersicht

Auf dieser Seite 

Export von Waren- und Dienstleistungen nach UK

Aus deutscher Sicht ist das UK nach den USA und Frankreich der drittgrößte Exportmarkt. Wie wird sich der Handel mit dem UK in Zukunft und nach dem Austritt der EU entwickeln? Dies hängt zunächst davon ab, wie die Zusammenarbeit zwischen UK und EU in der Zukunft organisiert wird.

Die britische Regierung ließ bereits anklingen, dass das UK kein Interesse an einer „EU-Mitgliedschaft-Light“ hat und bereit ist, auf einen unbeschränkten Zugang zum EU-Binnenmarkt zu verzichten.

Aus UK-Sicht ist geplant, ein Freihandelsabkommen mit der EU abzuschließen, ähnlich wie dies mit Kanada geschehen ist (CETA). Dementsprechend würde es wie jetzt keine Zölle und Handelsbarrieren zwischen dem UK und der EU geben.

Eine Wiedereinführung von Grenzkontrollen verzögert und kompliziert Exporte. Die entfallende gegenseitige Anerkennung nationaler Regulierungsnormen erhöht den bürokratischen Aufwand. Zölle, die innerhalb der EU entfallen, würden Exporte zusätzlich verteuern.

Zur Seitenübersicht

Entwicklung des Pfundes

Seit dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, geht es mit dem britischen Pfund deutlich bergab. Vor dem Brexit-Votum im Juni notierte ein Pfund noch bei 1,30 Euro. Inzwischen ist es angesichts der Sorge um die britische Wirtschaft sowie der sehr lockeren Geldpolitik, mit der die Bank of England dieselbe zu stützen versucht, bis auf rund 1,17 Euro abgerutscht.

Die Fundamentaldaten zur Britischen Wirtschaft stützten den Kurs des Pfundes. Der befürchtete Fall in eine Rezession nach dem Brexit-Votum ist bislang ausgeblieben. Die Bank of England (BoE) geht mittlerweile von einem Wirtschaftswachstum von 1,4 % im Jahr 2017 aus und korrigiert damit ihre vorige Schätzung von 0,8 % deutlich. Überraschenderweise zeigen sich auch die Investitionen stabil.

Nichtsdestotrotz sieht die BoE die zukünftigen Risiken auf der konjunkturellen Seite und lässt den Leitzins weiterhin auf dem niedrigen Niveau von 0,25%. BoE-Chef Mark Carney erläuterte, dass die Notenbank vorübergehend auch Inflationsraten über dem Ziel von 2% tolerieren würde.

Goldman Sachs erwartet, dass das Pfund noch weiter fällt. Um 20 bis 40 Prozent wird der Brexit mit all seinen Folgen die britische Währung entwerten, so die Goldman-Analysten in einer aktuellen Einschätzung. Sie begründen dies mit der zu erwartenden Verschiebung in der britischen Leistungsbilanz, also der Gegenüberstellung von Geldströmen, die das Land verlassen, und solchen, die hineinfließen.

Zur Seitenübersicht

Direktinvestitionen

Die deutschen mittelbaren und unmittelbaren Nettodirektinvestitionen in Großbritannien lagen 2014 bei etwa 110 Mrd. Euro, rund 11,5% der gesamten Investitionen im Ausland. Auch hier hat Großbritannien also eine auffällig starke Bedeutung. Umgekehrt summieren sich die britischen mittelbaren und unmittelbaren Direktinvestitionen in Deutschland auf 38 Mrd. Euro, rund 8,2% der ausländischen Direktinvestitionen hierzulande (Stand ebenfalls Ende 2014). Anders als im Güterhandel fällt also der Strom der Direktinvestitionen zugunsten Großbritanniens aus.

Aufbau bzw. Erwerb von Kapazitäten über Grenzen hinweg ist eng mit den Geschäftsaussichten der beteiligten Unternehmen verbunden. Insofern dürfte sich die Unsicherheit im Anschluss an das britische EU-Referendum darin niederschlagen, dass bereits geplante Investitionsprojekte auf Eis gelegt bzw. ganz storniert werden, und zwar in beide Richtungen. Dieser Zustand, in dem wegen des ungeklärten Status Großbritanniens Unternehmen beider Partnerländer nicht wissen, ob bzw. inwiefern Direktinvestitionen auf der jeweils anderen Kanalseite noch profitabel sein werden, dürfte Jahre andauern. Danach, also nach erfolgter Klärung des Rechtsstatus Großbritanniens bzw. eines neuen Handelsabkommens, wird sich die Investitionsbereitschaft wohl nach der relativen Vorteilhaftigkeit richten.

Zur Seitenübersicht

Besonders betroffene Branchen

In diesem Abschnitt stellen wir von Brexit betroffene Branchen am Beispiel Deutschlands vor. Wie negativ der Brexit für die deutschen Exporteure wird, hängt von der Ausgestaltung ab. Schaut man sich an, für welche Branchen Großbritanniens EU-Austritt die gravierendsten Konsequenzen hätte, springt sofort die Autobranche ins Auge. Mit Lieferungen im Wert von fast 29 Mrd. € für Fahrzeuge und Fahrzeugteile im Jahr 2015 ist diese Branche der größte potentielle Brexit Verlierer, gefolgt von Maschinenbau- und Pharmaunternehmen.

In einer Studie des zur Allianz-Gruppe gehörenden Exportversicherers Euler Hermes werden allein für die Jahre 2017-19 die deutschen Exporteinbußen für den Fall eines harten Brexit auf 6,8 Mrd. € beziffert, mehr als doppelt so viel wie bei den am nächststärksten betroffenen Ländern (China/Taiwan und die Niederlande mit jeweils 3,2 Mrd.). Auch in dieser Studie ist die Autobranche der mit Einbußen von knapp 2 Mrd. € am stärksten betroffene Sektor, gefolgt von Chemie und Maschinenbau (jeweils rund 1 Mrd. €).

Vor diesem Hintergrund ist nicht überraschend, dass in einer Umfrage des Ifo-Instituts 2015 fast die Hälfte der Unternehmen in der Kraftwagenbranche (49%) negative Auswirkungen des Brexit auf ihr Unternehmen befürchten, nur übertroffen von den Skeptikern in der Elektroindustrie (52%). Generell schätzen große Unternehmen die Folgen negativer ein als kleinere (53% zu 35%), und – verständlicherweise – exportierende negativer als nicht exportierende (41% zu 27%).

Zur Seitenübersicht

Besonders von Brexit betroffene Länder

EU-Länder, die traditionell enge Verflechtungen mit Großbritannien in Sektoren wie Finanzen, Warenhandel und Direktinvestitionen haben, werden stark an Brexit zu leiden haben. Hierzu zählen etwa Irland, Malta oder Zypern und, mit Ausnahme des Warenhandels, auch die Schweiz.

Gerade was Investitionen und Exporte betrifft, fallen die Beneluxländer, Skandinavien und Spanien ebenfalls in diese Kategorie. Erst hinter diesen Ländern folgt Deutschland als am nächsten stark betroffener Partner, ganz in der Nähe des Medians des von Standard & Poor’s berechneten BrexitSensitivitätsindex.

Während auch in den meisten anderen Schätzungen Länder wie Irland, Benelux oder Skandinavien als die am stärksten vom Brexit betroffenen genannt werden, taucht Deutschland meist als Hauptleidtragender unter den größten Volkswirtschaften der Welt auf.

So schätzt der IWF, dass die Wachstumsbeeinträchtigung, die Deutschland 2017 infolge des Brexit zu verkraften haben wird, mit 0,4 Prozentpunkten doppelt so hoch liegt wie in Spanien und sogar vier Mal so hoch wie in Italien.

Zur Seitenübersicht

Häufige Fragen rund um den Brexit

Wir haben über 100 der häufigsten Fragen und Antworten (FAQs) zum Thema Brexit in unserer Wissensdatenbank für Sie zusammengestellt. Bitte klicken Sie hier, um zu unserer Knowledge Base zu gelangen. Finden Sie Ihre persönlichen Fragen dort nicht beantwortet, raten wir Ihnen zur Buchung eines kostenpflichtigen telefonischen Beratungsgesprächs.

Beratungsgespräch zum Brexit und den Folgen für Sie (und/oder Ihr Unternehmen)

Wenn auch Sie als Nicht-Brite sich mit Strategien und Lösungsansätzen zu Ihrer Zukunft in Großbritannien beschäftigen, werden Sie sich vermutlich schon intensiv gedanklich mit dem Thema Brexit auseinandergesetzt haben.

Dabei ist es normal, dass man irgendwann an einen Punkt gelangt, ab dem die Verwirrung zu- und die Klarheit abnimmt. Es sind einfach zu viele Gesichtspunkte gleichzeitig zu berücksichtigen. Die Ausgangslage ist komplex.

Um den geistigen Knoten zu lösen und den Weg für weiterführende Gedanken frei zu machen, bieten wir Ihnen jetzt ein einstündiges telefonisches Beratungsgespräch zum Thema Brexit und den Konsequenzen für Sie und/oder Ihr Unternehmen an.

Im Rahmen dieses Gespräches können wir über konkrete technische Fragen sprechen (z.B. steuerliche Aspekte, Sitzverlegung Ihrer UK-Gesellschaft nach Irland), oder einfach nur diverse strategische Optionen, die Sie in Erwägung ziehen, diskutieren. Sie bestimmen den Inhalt des Gespräches und geben das Tempo vor.

Auf dieser Seite erfahren Sie mehr zu unserem Brexit-Beratungsangebot.

Zur Seitenübersicht