Auslandsgesellschaft, die einer Vertrauensperson gehört und an Ihr Unternehmen Rechnungen schreibt

Über einen fremden Dritten als Gesellschafter der Auslandsgesellschaft vermeiden Sie den Sachverhalt des nahestehenden Unternehmens

Diese Seite ist Teil unserer Serie zur internationalen Steuergestaltung.

Damit eine Auslandsgesellschaft im steuergünstigen Ausland an Ihr eigenes Unternehmen zu Hause rechtssicher und legal Rechnungen stellen kann, müssen in der Hauptsache drei Bedingungen erfüllt sein, die wir im folgenden Abschnitt näher beschreiben.

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Fremder Dritte mit Wohnsitz im Ausland als Gesellschafter/Begünstigter und Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft (Vertrauensperson)

Alleiniger Gesellschafter und Begünstigter der Auslandgesellschaft muss ein fremder Dritter sein.

Hier darf auf keinen Fall ein Treuhänder beauftragt werden. Dieser würde immer als Ihr Erfüllungsgehilfe betrachtet werden. Unter Umständen machen Sie sich damit strafbar.

Im Idealfall ist eine im Ausland lebende Vertrauensperson der alleinige Gesellschafter der Auslandsgesellschaft. Selbstverständlich gibt es keine Vereinbarung zwischen Ihnen und der Vertrauensperson, die besagt, dass Sie der „tatsächliche“ Eigentümer bzw. Begünstigte der Gesellschaft sind. Wir wählen den Begriff „Vertrauensperson“ ja nicht ohne Grund.

Der Gesellschafter ist im Normalfall auch Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft. Sicherlich kann auch eine weitere Person als Geschäftsführer bestellt werden – notwendig ist dies nicht.

Als Geschäftsführer kümmert sich die Vertrauensperson in Eigenverantwortung um alle Aspekte des Tagesgeschäfts der Auslandsgesellschaft.

Mittlerweise sollte klar sein, dass Sie nicht derjenige sein können, der das Geschick der Auslandsgesellschaft heimlich lenkt und aus dem Hintergrund wie eine graue Eminenz die Strippen zieht.

Es wäre fatal und ggf. strafrechtlich relevant, wenn bei einer möglichen Überprüfung E-Mails auftauchen, die eine entsprechende Kontrollfunktion Ihrerseits oder auch nur eine dahingehende Absicht schriftlich belegen.

Bei der Beziehung zwischen Ihnen und dem Gesellschafter bzw. Begünstigten muss es sich im Rahmen der geschäftlichen Zusammenarbeit um die Beziehung zu einem fremden Dritten handeln.

Wie bereits oben angesprochen sollte die Vertrauensperson im Ausland leben (nicht im gleichen Land wie Sie und nicht im Sitzstaat Ihres Unternehmens). Die Vertrauensperson muss aber nicht im Sitzstaat der Auslandsgesellschaft leben.

Selbstverständlich ist der Wohnsitzstaat der Vertrauensperson nicht unwichtig.

Lebt die Vertrauensperson in einem Land wie Deutschland, Österreich, Frankreich oder Italien hat sie mit dem dort geltenden CFC-Regime (Außensteuergesetz) zu kämpfen und darf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Auslandsgesellschaft in einem Niedrigsteuerland kontrollieren ohne dabei große steuerliche Nachteile am Wohnsitzstaat zu riskieren.

Wir empfehlen, dass die Vertrauensperson in einem Land ohne CFC (Controlled Foreign Corporation)-Regime (Außensteuergesetz) lebt. Eine Liste mit Staaten, in denen es kein CFC-Regime gibt, finden Sie hier. Eine Auslandgesellschaft im steuergünstigen Ausland (selbst in den einschlägig bekannten Offshore-Staaten) kann von dort ohne Einschränkung, Meldepflicht und steuerliche Negativwirkungen gesteuert werden.

Lebt die Vertrauensperson in einem der dort genannten Staaten, bedeutet dies konkret auch, dass die Auslandsgesellschaft – bei der die Vertrauensperson Geschäftsführer und Gesellschafter ist - keine Substanz (Geschäftsräume, Mitarbeiter, lokale Geschäftsleitung) am Sitzstaat der Gesellschaft aufbauen muss – ein Riesenvorteil also hinsichtlich Kosten und Aufwand.

Allenfalls macht es sogar Sinn, dass die Vertrauensperson den Wohnsitz wechselt. Diese Option sollte die Vertrauensperson ernsthaft in Erwägung ziehen.

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Ein tatsächliches Lieferantenverhältnis: Wirklicher Bedarf, Marktpreise, Leistungsnachweise und laufende Kommunikation

Die Auslandsgesellschaft ist Lieferant Ihres Unternehmens.

Punkt. Ohne wenn und aber.

Es gelten die gleichen Regelungen wie für alle anderen Lieferanten Ihres Unternehmens.

Sie beauftragen einen Lieferanten, wenn Ihr Unternehmen tatsächlichen Bedarf an einem bestimmten Produkt oder einer Dienstleistung hat.

Sie prüfen mehrere Angebote. Sie wählen vielleicht nicht das günstigste Angebot, aber der Preis bewegt sich auf jeden Fall im ortsüblichen Rahmen.

Ihr Unternehmen macht einen „guten Deal“.

Sie erhalten Leistungsnachweise des Lieferanten. Sie und die verantwortlichen Mitarbeiter können überprüfen, dass die vereinbarte Leistung auch tatsächlich so erbracht wurde.

Sie kommunizieren regelmäßig mit dem Lieferanten. Es gibt eine Kommunikationshistorie. In der Regel gibt es andere Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen, die mit dem Lieferanten Kontakt haben.

Sie können Entscheidungsträger im Unternehmen des Lieferanten identifizieren und kennen diese.

Rechnungen des Lieferanten werden von Ihrer Buchhaltung geprüft und dann im Rahmen der üblichen Zahlungsläufe beglichen.

Wenn Sie im Kopf einige der Lieferantenbeziehungen, die Ihr Unternehmen heute pflegt, durchspielen, werden Sie vermutlich sämtliche der hier genannten Merkmale identifizieren können.

Eine Auslandsfirma, die als Lieferant für Ihr Unternehmen tätig wird, muss also die gleichen Bedingungen erfüllen. Sonderregelungen sind problematisch und deuten darauf hin, dass es sich nicht um eine Beziehung zu einem fremden Dritten handelt.

Persönliche Treffen hingegen scheinen heute nicht mehr notwendig zu sein, um eine vertrauensvolle geschäftliche Beziehung aufzubauen. In der virtuellen und vernetzten Welt, in der wir heute arbeiten, ist es üblich, dass Lieferanten und Kunden sich noch nie getroffen haben oder auch nur telefoniert haben. Viele Beziehungen werden rein über Chat und Email gestaltet – allerdings ist dann auch dort eine entsprechende Historie vorhanden, die man ausdrucken kann.

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Kein Geldfluss an Sie

Wie bereits ausführlich besprochen, handelt es sich bei der vorgestellten Auslandsgesellschaft um ein Unternehmen, auf das Sie keinen kontrollierenden Einfluss haben und zu dem Ihr eigenes Unternehmen lediglich eine Kunden-/Lieferantenbeziehung unterhält.

Es ist daher nur logisch, dass es von Seiten der Auslandsfirma keinen Geldfluss an Sie geben darf. Wie sollte dieser auch begründet werden können? Laut aktueller Gesetzeslage dürfen Sie keine finanziellen Interessen an der Geschäftsbeziehung haben - ansonsten wäre die Auslandsgesellschaft unter Umständen schon eine im steuerrechtlichen Kontext nahestehende (juristische) Person.

Die Auslandsgesellschaft, die Ihnen ja nicht gehört, ist freilich völlig frei in ihrer Mittelverwendung. Die Gesellschaft kann beispielsweise über Tochtergesellschaften oder direkt Immobilien in Spanien, Deutschland, UK oder wo auch immer erwerben. Sie kann internationale Events veranstalten. Sie kann Darlehen vergeben. Sie kann die erwirtschaften Gewinne in neue Unternehmen und Projekte investieren, in Aktien anlegen oder als Altersvorsorge der Eigentümer thesaurieren.

Je nachdem wo sich die Gesellschaft befindet, sind logischerweise die lokalen Vorschriften und Steuergesetzgebungen zu beachten. Eine Gesellschaft in Malta beispielsweise muss sicherlich höhere Auflagen hinsichtlich Dokumentation erfüllen als eine Gesellschaft in einer Nullsteueroase.

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Beispiel aus der Praxis: Wolf Gang LLC (San Francisco) verkauft Online Marketing Leistungen an die Schwemmer Catering Ges.m.b.H (Wien)

Die Namen aller vorkommenden juristischen und natürlichen Personen sind frei erfunden.

Die Schwemmer Catering Ges.m.b.H in Wien ist ein Gastronomie-Unternehmen, das für Veranstaltungen die üblichen Verpflegungsleistungen übernimmt (kaltes Buffet usw.). Alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der Gesellschaft ist Hubert Fröse.

Die Wolf Gang LLC mit Sitz in San Francisco, Kalifornien, ist ein Unternehmen, das Online Marketing und SEO Dienstleistungen erbringt. Eigentümer der Wolf Gang LLC ist Pavel Betzdecka, der in der tschechischen Republik wohnt und tschechischer Staatsbürger ist.

Hubert möchte gerne mehr Besucher auf die Website seiner Gesellschaft lenken. Insbesondere ist ihm internationaler Traffic wichtig, denn viele Paare aus Übersee heiraten in Wien. Diese Paare hat Hubert als potentielle Kunden identifiziert.

Hubert sucht also in Google nach Anbietern mit deutschen Webseiten, die auf die Generierung von Traffic spezialisiert sind. Er findet nach 30 Sekunden Suche in Google z.B. folgende Webseite, wo ihm 50.000 Besucher für knapp €500 angeboten werden. Interessant.

Webseite eines deutschen Traffic Brokers. November 2015.

Aber es kommt anders: Ein Freund am Stammtisch empfiehlt Hubert einen Bekannten zu kontaktieren, der in der SEO-Branche tätig ist und auch Deutsch spricht: Pavel.

Pavel bietet an, 50.000 Besucher für €450 zu generieren und die beiden werden handelseinig. Hubert geht in die vollen und will gleich 100 Pakete kaufen (insgesamt also €45.000 bei Pavel ausgeben). Man bespricht, den Traffic im Laufe eines Monats zu generieren.

5 Millionen Besucher! Wow! Hubert ist begeistert und sieht schon explodierende Umsätze mit seinem Catering-Unternehmen in realistischer Reichweite.

Der gesamte Traffic ist spezifisch für die Suchbegriffe „wedding“, „Vienna“, „catering“ und ähnliche Begriffe.

Pavel arbeitet schon lange mit der Website Fiverr.com zusammen. Dort gibt es zehntausende von Service-Angeboten für $5 (daher der Name der Website „fiverr“).

Hier kann Pavel 20.000 Besucher für $5 kaufen. Für den von Hubert benötigten Traffic bezahlt er also $1250, also €1170. Es bleibt ihm also ein Gewinn von über €43.000. Die gesamte Arbeit wird dabei von dem Fiverr-Anbieter erbracht. Außer ein paar Emails hat Pavel nichts zu tun.

Tatsächlicher Screenshot von Fiverr.com. November 2015.

Das ganze Projekt dauert einen Monat. Es könnte auch in einer Woche abgeschlossen sein, aber Pavel und Hubert hatten vereinbart, den Traffic aufzuteilen.

Der Fiverr-Anbieter liefert Pavel einen umfangreichen Bericht auf Englisch, der mindestens 20 Seiten lang ist und auf dem detailliert zum generierten Traffic Auskunft gegeben wird. Diesen Bericht leitet Pavel an Hubert weiter.

Das Projekt ist abgeschlossen.

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Meldepflicht, Auskunftspflicht und Mitwirkungspflicht

Da Sie weder Begünstigter noch Gesellschafter der Auslandsgesellschaft sind, gibt es Ihrerseits auch keine Pflicht, die Beteiligung an der Auslandsgesellschaft bei den Finanzbehörden anzuzeigen.

Nochmals: Es handelt sich bei der Auslandsgesellschaft um einen fremden Dritten, der Lieferant Ihres heimischen Unternehmens ist. Sie haben mit der Gesellschaft nichts zu tun. Sie sind auch keine graue Eminenz, welche die Gesellschaft im Hintergrund heimlich steuert.

Die Vertrauensperson hingegen muss hier unter Umständen die gültigen Meldepflichten im eigenen Wohnsitzstaat beachten. Diese entfallen, wenn die Vertrauensperson in einem Land lebt, in dem es kein CFC-Regime (Außensteuergesetz) gibt.

Anders freilich sieht es bei Auskunfts- und Mitwirkungspflichten aus. Kommt es zu einer Betriebsprüfung bei Ihrem Betrieb zu Hause, müssen Sie Zahlungen an die Auslandsgesellschaft erklären und begründen können – zumal wenn sich diese in einem Niedrigsteuerland befindet. Die Finanzbehörden haben das Recht, die Rechnung der Auslandsgesellschaft nicht als Betriebskosten anzuerkennen, wenn diese nicht ausreichend begründet werden kann.

Wie bereits mehrfach auf dieser Seite erwähnt ist daher wiederum die Dokumentation zu den einzelnen Vorgängen entscheidend. Wenn jedoch tatsächlich erbrachte Leistungen zu einem Preis erbracht wurden, der einem Drittvergleich standhält und Sie die handelnden Personen hinter der Auslandgesellschaft benennen können, wird an den Anrechnungen kein Makel zu finden sein.

Sie sollten fraglos die Vertrauensperson als Geschäftsführer und Eigentümer der Auslandsgesellschaft benennen können und deren Kontaktdaten an die Behörden weitergeben, wenn erforderlich.

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Die Frage nach Substanz

Substanz im steuerlichen Kontext unterscheidet ein operatives Unternehmen von einer Briefkastengesellschaft. Man spricht von Substanz, wenn eine Auslandsgesellschaft im Sitzstaat der Gesellschaft Geschäftsräume nutzt (Büro, Werkstatt, Restaurant...), Mitarbeiter beschäftigt und von einem lokalen Geschäftsführer geleitet wird.

Nicht zur Substanz zählen auf Dauer: Virtual Offices, freie Mitarbeiter, Treuhänder, Rechtsanwälte, Steuerberater usw.

Eine Auslandsgesellschaft braucht dann Substanz, wenn die Gesellschaft aus einem Land beherrscht wird, in dem es ein CFC-Regime gibt (Außensteuergesetz). Kann keine Substanz nachgewiesen werden, ist die Gesellschaft am Ort der geschäftlichen Oberleitung bzw. der geschäftlichen Beherrschung steuerpflichtig.

Für Deutschland gilt zusätzlich: Befindet sich die Auslandsgesellschaft auch noch in einem Niedrigsteuerland, gilt die Hinzurechnungsbesteuerung. Vom Finanzamt geschätzte fiktive Gewinne der Auslandsgesellschaft sind mit dem Einkommenssteuersatz zu versteuern.

Beispiel: Eine Malta-Gesellschaft wird von einem deutschen Steuerzahler über die Anteilsmehrheit beherrscht. Damit die Gesellschaft in Malta steuerpflichtig ist und nicht in Deutschland, muss die Gesellschaft Substanz vorweisen.

Lebt die Vertrauensperson dagegen in einem Land, in welchem es kein CFC-Regime gibt, muss die Auslandsgesellschaft auch keine Substanz nachweisen.

Beispiel: Eine Malta-Gesellschaft wird von einem irischen Steuerzahler über die Anteilsmehrheit beherrscht. Damit die Gesellschaft in Malta steuerpflichtig ist und nicht in Irland, muss die Gesellschaft keine Substanz vorweisen. Es ist kein Büro und keine Mitarbeiter usw. in Malta vorzuhalten.

Es ist also demnach nochmals zu wiederholen, dass die Vertrauensperson als Geschäftsführer und Gesellschafter idealerweise in einem Wohnsitzstaat lebt, in dem es kein CFC Regime gibt.

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Und was ist mit Treuhand?

Wenn Sie diese Seite aufmerksam gelesen haben, sollte sich diese Frage eigentlich bereits erledigt haben.

Aber wir erklären es gerne nochmals:

Treuhand ist im hier geschilderten Kontext keine Option. Ein Treuhandverhältnis ist transparent und im Falle einer behördlichen Überprüfung ist das Risiko relativ groß, dass Sie mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen, wenn Sie eine Auslandsgesellschaft, die an Ihr Unternehmen zu Hause fakturiert, als Treugeber beherrschen.

Die Auslandsgesellschaft wird von einem fremden Dritten beherrscht und geleitet. Diese Person (eine Vertrauensperson) handelt nicht auf Ihre Anweisung hin (wie ein Treuhänder). Diese Person hat auch den Zugriff auf die Konten der Gesellschaft.

Bitte fragen Sie uns nicht, ob wir Ihnen einen Treuhänder zur Verfügung stellen können. Wir können und wollen solche Treuhänder nicht anbieten.

Wir können nur in Ausnahmen Treuhänder zur Verfügung stellen. Dies wäre in der Regel dann der Fall, wenn Sie dafür keine steuerlichen, sondern gute persönliche Gründe haben (z.B. Insolvenz, Wettbewerbsverbot, Scheidung usw.).

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Nächste Schritte

Gerne können wir Sie zum Thema internationale Steuergestaltung und Auslandsgesellschaften umfassend beraten. Bitte buchen Sie dazu ein Beratungsgespräch. Wenn Sie bereits ein Auslandsvorhaben geplant haben, können Sie uns dieses gerne im Rahmen einer unverbindlichen Potenzial-Analyse zur Kurzprüfung vorlegen.

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