7 Insider-Fakten zur EU-Insolvenz in England, wenn Sie mehr als 1 Million Euro Schulden haben

Better safe than sorry: Warum Sie sich nicht auf Insolvenzfabriken verlassen sollten, die Kleinschuldner per Massenabfertigung verarzten

Diese Seite ist Teil unserer Serie zur Privatinsolvenz in England.

Eine einfache Suche in Google mit den einschlägigen Suchbegriffen genügt, um eine bunte Vielfalt von „Experten“ zur England-Insolvenz präsentiert zu bekommen. Wir nennen diese Agenturen auch „Insolvenzfabriken“, denn das Geschäftsmodell dieser Berater besteht darin, möglichst viele Schuldner nach England zu locken und per Massenabfertigung im englischen Insolvenzverfahren zu verarbeiten.

Die meisten England-Insolvenz-Berater vermitteln zweifellos einen seriösen, vertrauenserweckenden Eindruck (so wie der hier abgebildete Kollege)

Dieser Weg zur Entschuldung in England mag für Schuldner mit vergleichsweise geringen Schulden funktionieren (wobei wir generell in Frage stellen, ob sich bei geringen Schulden der Gang nach England überhaupt lohnt). Tatsache ist, dass eine Gläubiger-Bank wegen €20,000 Schulden aus einer Neuwagen-Finanzierung keinen großen Aufwand betreibt, um einem Schuldner nachzustellen, der im Ausland lebt.

Der England-Insolvenz-Berater profitiert davon, dass bei geringen Schulden weder die Gläubiger, noch die englischen Behörden besonders genau hinschauen. Es ist weniger die ausgeklügelte Dienstleistung oder das enorme Fachwissen des Beraters, die den Betroffenen retten, sondern schlicht mehr Glück als Verstand. Vermutlich hätte er auch er auch ganz ohne Berater das gleiche Ergebnis erzielt.

Schließlich kommen auch 90% der von der Insolvenz betroffenen Briten ohne Anwalt und Berater aus. Mit ein bisschen Inititiave und dem Willen zu lernen, bekommen Sie das auch als Ausländer alleine hin.

Was aber, wenn man sehr hohle Schulden hat? Verbindlichkeiten von über 1 Million Euro? Nun, da sieht die Sache freilich anders aus. Da spielt man in einer anderen Liga und Gläubiger sind bei weitem weniger gelassen. Dann schauen auch die englischen Behörden besonders genau hin. Es gibt beim Official Receiver sogar Sonderabteilungen für Schuldner mit komplexen Vermögens- und Verbindlichkeitsstrukturen.

Tatsache ist, dass die meisten der sogenannten Insolvenz-Berater wenig Ahnung davon haben, wie man mit komplexeren und umfangreichen Verbindlichkeitsstrukturen umgeht. Der sonst als so einfach dargestelle 08/15-Prozess ist bei Schuldnern mit hohen Verbindlichkeiten kaum zu durchlaufen. Berater spielen dieses Risiko ganz bewusst runter.

Wir raten daher dringend davon ab, sich bei hohen Verbindlichkeiten ohne gründliche Überlegung und Prüfung für einen Berater zu entscheiden.

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen sieben Fakten zur England-Insolvenz direkt aus unserer Beratungspraxis vor, die insbesondere Mandanten mit hohen Verbindlichkeiten betreffen.

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Fakt 1: Ihr Facebook-Profil ist wichtiger als Ihre englischen Lohnzettel

Der Deutsche ist ein Mensch, der am liebsten klare Strukturen und Vorgaben hat und diese wie eine Checkliste abarbeiten kann. Das Denken des Deutschen basiert auf Regeln. Der Engländer dagegen denkt in Prinzipien und so funktioniert auch sein Rechtssystem.

Der windige Insolvenz-Berater ist auch Deutscher und versteht deswegen die Engländer und ihr Rechtssystem überhaupt nicht. Dem Kunden, der die England-Insolvenz durchlaufen will, gibt er also eine Checkliste an die Hand: Besorg Dir ein Zimmer, ein Konto und wir produzieren Dir noch ein paar Lohnzettel und Du bist fein raus.

Aber wie gesagt, das interessiert den englischen Richter nur bedingt. Wenn der Anwalt Ihrer Gläubiger Foto-Beweise vorlegt, dass Sie sich immer noch intensiv in Ihrem Heimatland aufhalten, wird der Richter entscheiden, dass Ihr Lebensmittelpunkt sich nicht in England befindet.

Der Richter weiß nämlich, dass jeder eine Wohnung mieten und ein Konto eröffnen kann, dafür muss ich mich nicht in England aufhalten. Ein Facebook-Profil über Monate aktuell zu halten – das ist schon viel schwerer zu simulieren.

Wie kommt der Anwalt an Ihre Foto-Beweise? Über Ihr Facebook-Profil! (Wir verwenden Facebook nur beispielhaft für Social Media im Allgemeinen.)

Nun können Sie natürlich argumentieren, dass Sie gar kein Facebook-Profil haben oder dieses am besten auch noch löschen oder deaktivieren werden. Aber wie wahrscheinlich ist das heutzutage? Das erinnert an die deutschen Schuldner, deren englische Kontoauszüge keinerlei Transaktionen zeigen und die dann behaupten, dass sie immer in bar bezahlen.

Sehen Sie, das nimmt Ihnen keiner ab oder zumindest machen Sie sich extrem verdächtig.

Oder anders formuliert: Ein schönes Facebook-Profil mit vielen Bildern aus England im Pub, im Museum, im Park kann viele andere Mängel in Ihrem Setup heilen.

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Fakt 2: Sie müssen tatsächlich in England wohnen und Ihre Familie muss mit umziehen

Bitte geben Sie sich keinen Illusionen hin: Sie müssen mit der ganzen Familie nach England umziehen, außer Sie lassen sich scheiden.

Der englische Richter lacht Sie aus, wenn Sie ihm erzählen, dass Sie sich nach 25 Jahren Ehe just in diesem Moment von Ihrer Frau getrennt haben und wird Ihnen sagen, dass er das jeden Tag von deutschen Schuldnern hört, die sich in England entschulden wollen.

Sie geben den Anwälten Ihrer Gläubiger eine traumhafte Steilvorlage, wenn Sie nicht tatsächlich in England leben bzw. Ihre Familie nicht mitnehmen.

Glauben Sie mir, ich habe Mandanten erlebt, die acht Stunden im Kreuzverhör von gegnerischen Anwälten zu den Details ihrer angeblichen Trennung gegrillt wurden. Das sind absolute Profis. Da kommen Sie nicht ungeschoren davon. Irgendwann verstrickt sich in dieser Situation jeder in Widersprüche.

Wirklich umziehen heißt im ersten Schritt allen Freunden, Verwandten, Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und allen anderen wichtigen Personen mitteilen, dass Sie jetzt mit Sack und Pack nach England umziehen. Am besten veranstalten Sie noch eine riesige Abschiedsparty.

Sie müssen diesen Umzug ganz groß in Szene setzen. Vergessen Sie Diskretion. Warum Sie nach England umziehen, muss ja zunächst keiner wissen.

Dann müssen Sie sich bis auf Weiteres ganz echt mehrheitlich in England aufhalten. Sie können gerne jede Woche für einen oder zwei Tage nach Deutschland reisen. Periodisch sicherlich auch für längere Zeit. Aber alles andere? Schwierig.

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Fakt 3: Sie müssen in England tatsächlich eine berufliche bzw. geschäftliche Tätigkeit entfalten

Sie verlegen den Schwerpunkt Ihrer wirtschaftlichen Interessen nach England und entsprechend müssen Sie sich auch verhalten.

Gehen Sie dort tatsächlich der von Ihnen angegebenen Tätigkeit nach. Bauen Sie ein Geschäft auf. Werben Sie Kunden. Besuchen Sie Lieferanten. Erschließen Sie den englischen Markt.

Wichtig ist, dass Sie alles dokumentieren: E-Mails, Bilder, Dokumente – alles ausdrucken und schön ablegen. Wenn Sie der Richter fragt, was konkret Sie in England treiben, zeigen Sie diese Mappe und Sie werden von der Wirkung überrascht sein.

Stellen Sie sicher, dass Sie in glühenden Worten von Ihrer Tätigkeit berichten können. Sorgen Sie dafür, dass die Tätigkeit einen starken Bezug zu England hat. Zeigen Sie, dass diese Tätigkeit nur in England ausgeübt werden kann.

Besonders schlecht sieht es aus, wenn das Unternehmen, bei dem Sie angestellt sind, keine Webseite hat, es kein professionell beantwortetes Telefon gibt und noch weitere ebenfalls von der Insolvenz betroffene Mitarbeiter bei dem Unternehmen angestellt sind (was viele Insolvenz-Agenturen ja genauso handhaben).

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Fakt 4: Sie müssen ein lebhaftes Sozialleben in England aufbauen und nachweisen

Bitte versuchen Sie niemandem weiszumachen, dass Sie jemand sind, der nie aus dem Haus geht und nur zu Hause vor dem Fernseher sitzt.

Bei Gericht in England müssen Sie mindestens drei schriftliche Zeugenaussagen von in England lebenden Personen aus Ihrem sozialen Umfeld vorlegen, die bestätigen, Sie zu kennen und mit Ihnen regelmäßig Zeit zu verbringen.

An diesen Zeugenaussagen hängt das ganze Verfahren. Der Richter wird davon abhängig machen, ob Sie Ihren Lebensmittelpunkt in England haben und das englische Verfahren durchlaufen können oder nicht.

Wer über mehrere Monate in England lebt und nicht mindestens drei Personen kennengelernt hat, macht sich vor Gericht so unglaubwürdig wie derjenige, der immer in bar bezahlt und kein Facebook-Profil hat. Dummerweise treffen auf manche Kandidaten alle drei Kriterien zu.

Geeignete Zeugen sind: Golfpartner, Ladenbesitzer, Ihr Kumpel aus dem Pub, eine Geliebte, Kunden, Geschäftspartner, Vermieter, Freunde aus dem Fitness-Studio, Glaubensbrüder usw.

Nehmen Sie sich also fest vor, entsprechende Bekanntschaften zu schließen, hoffentlich weit mehr als drei. Sie können es sich nicht erlauben, Sozialmuffel zu sein. Gehen Sie aus, genießen Sie die Zeit in England und finden Sie neue Freunde.

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Fakt 5: Ihre Gläubiger machen bereitwillig €100.000 für einen UK-Anwalt locker

Oftmals unterschätzen Mandanten, wie weit ihre Gläubiger gehen, um eine mögliche England-Insolvenz auszuhebeln. Wir haben mehrere Fälle erlebt, wo Banken weit über €100.000 für englische Anwälte ausgegeben haben.

Was können die Anwälte ausrichten? Nun, zum einen können Schwachstellen in Ihrem Antrag identifiziert werden. Haben Sie ein Konto vergessen zu nennen oder andere Fakten nicht ganz korrekt angegeben? Was eine Flüchtigkeit sein mag, wird der gegnerische Anwalt als versuchten Insolvenzbetrug werten und Meineid nennen (denn Sie haben ja geschworen, dass der Antrag korrekt ist).

Der andere Ansatzpunkt für den Anwalt ist zu versuchen, Ihren Lebensmittelpunkt in England in Frage zu stellen. Was denken Sie, was wir in der Hinsicht schon erlebt haben: von Privatdetektiven, Dauerbeschattungen und falsch zugestellten Paketen bis hin zu Bedrohungen von Zeugen usw.

Manche Gläubiger nehmen Ihren Umzug nach England persönlich und sind immer daran interessiert, einen Präzedenzfall zu schaffen. Unterschätzen Sie die Entschlossenheit Ihrer Gläubiger nicht.

In einem anderen Fall hatte ein in England lebender Mandant Steuerschulden beim deutschen Finanzamt. Zu seinem Unheil war der Mandant chronisch krank und beinahe wöchentlich in Deutschland beim Arzt.

Das Finanzamt hat daraufhin mit Durchsuchungsbefehl den behandelnden Arzt aufgesucht und sich alle Unterlagen des Mandanten aushändigen lassen. Aufgrund der vielen Besuche und der laufenden Bindung nach Deutschland lehnte der Richter in England die Verfahrenseröffnung ab.

Unterschätzen Sie die Gläubiger nicht! Vor allem nicht jene, die das nötige Kleingeld haben!

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Fakt 6: Ihre Pension ist in Gefahr

Der englische Insolvenzverwalter hat drei Jahre Zeit, Ihr Vermögen zu verwerten und die Erlöse den Gläubigern zukommen zu lassen. D.h. realistisch gesprochen werden Sie drei Jahre lang einen kleinen Obolus aus Ihrem kleinen englischen Gehalt an den Official Receiver abführen. Sagen wir €100 im Monat.

Im Falle einer Pension ist dies allerdings anders gelagert – zumindest, wenn Sie Pech haben.

Manche Privatrenten und Pensionen sind grundsätzlich vor dem Zugriff eines Insolvenzverwalters geschützt. Um die müssen Sie sich keine Sorgen machen, vorausgesetzt, dass Ihnen der Verwalter Ihrer Pension die Unantastbarkeit der Pension bzw. Privatrente bestätigt hat.

Ist die Pension nicht geschützt und Sie erhalten bereits Pensionszahlungen, kann der englische Insolvenzverwalter diese bis an Ihr Lebensende pfänden.

Und warum?

Weil die Pension Ihrem Vermögen zugerechnet wird, das zum Zeitpunkt der Insolvenz bestand und über welches Sie nun verfügen können.

Sie erleben ein böses Erwachen, wenn Sie feststellen müssen, dass Sie zwar das englische Verfahren erfolgreich durchlaufen haben, aber nun für den Rest Ihres Lebens bluten müssen.

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Fakt 7: Eine schnelle Rückkehr nach Deutschland kann Ihnen zum Verhängnis werden

Mandanten, die so schnell wie möglich wieder nach Deutschland umziehen, machen es ihren Gläubigern in Deutschland leicht, die Insolvenz in England anzufechten. Es wird sofort davon ausgegangen, dass Sie nie wirklich in England gewohnt haben und dort auch Ihren Lebensmittelpunkt hatten.

Warten Sie bitte mit der Rückkehr nach Deutschland so lange, bis die englische Restschuldbefreiung in Deutschland gerichtlich anerkannt ist. Das bedeutet konkret, dass Sie die deutsche Anerkennung der englischen Restschuldbefreiung von England beantragen.

Es wäre zu schade, wenn der ganze Aufwand just beim letzten Verfahrensschritt zunichte gemacht würde.

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